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Markus Heitz

Die Meisterin 1
Der Beginn

  • Autor:Markus Heitz
  • Titel: Der Beginn
  • Serie:Die Meisterin 1
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Knaur HC
  • Datum:02 März 2020
  • Preis:14.99 EUR

 
»Der Beginn« (Die Meisterin 1) von Markus Heitz


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Als Jacob Cornelius brutal in London ermordet wird, steht für seine Familie der Schuldige schnell fest: Ein Bugatti-Spross! Denn mit diesem Clan verbindet die Familie Cornelius eine jahrhundertealte Fehde. Währende Geneve der Sache auf den Grund gehen will, steht für ihre Mutter der Schuldige fest. Doch Alessandro Bugatti sitzt neben Geneve, als ihre Mutter ermordet wird. Gemeinsam machen sich die beiden auf eine brutale Jagd rund um die Welt, um die Schuldigen aufzuspüren. Schnell wird beiden klar, dass sie nur am Rand der Verschwörung stehen und die Tragweite ihre schlimmsten Befürchtungen überschreiten!

Das Cover zeigt die Gesichter von Geneve Cornelius und Alessandro Bugatti. Sie blicken sichernd, abwartend und lauernd in die entgegengesetzte Richtung, um sich gegenseitig den Rücken frei zu halten. In der Mitte ein Stab, um den sich zwei Schlangen winden; er erinnert mich an einen Äskulapstab, auf dem normalerweise jedoch nur eine Schlange zu sehen ist. Geneve blickt sichernd über ihre Heimatstadt Leipzig und Alessandro über London. Mir gefällt das Bild gut, da es die Protagonisten zeigt und zugleich einen Einblick auf das Buch gewährt, zumindest auf die vorherrschende, düstere und bedrohliche Stimmung.

Und wieder ist es Markus Heitz gelungen, mich schon nach den ersten Worten in seinen Bann zu ziehen! Ja, ich gebe es zu: Ich bin ihm hoffnungslos verfallen und selbst eine Backbeschreibung und der Neuauflage des Telefonbuchs würde ich voller Spannung und Freude verschlingen. Der Autor besitzt die unnachahmliche Gabe, mich in seine Handlung zu ziehen, Interesse zu wecken und die Welt der Fantasy mit der Realität zu vermischen. Und das so gekonnt, dass ich mir hin und wieder in Erinnerung rufen muss, dass die Geschehnisse nur teilweise erfunden sind. Und vor allem, welcher Teil davon!
In seinem neuen Werk schildert Markus Heitz das Leben und Schaffen von einer Scharfrichter-Familie. Wie es ist, im Mittelalter als Henker und Folterknechte zu arbeiten und wie sich das Ansehen im Laufe der Jahrhunderte wandelte. Und dies untermauerte er mit wahren Fakten, die mich erschreckt haben! Denn ist Europa wirklich so modern und fortschrittlich, wie wir denken? Ich für meinen Teil blicke auf Länder, die heute noch die Todesstrafe vollziehen, eher abfällig hinab, da dies zu meiner modernen und aufgeschlossenen Weltanschauung einfach nicht passt. Fakt ist jedoch, das der letzte Hexenprozess in Europa in den 1950er war und die letzte Hinrichtung 1981. So viel zu modern und aufgeschlossen.
Und wenn man das Buch unter diesem Aspekt liest, ist die Welt der Henker gar nicht mehr so abwegig und springt mit einem Ruck in die Realität. Und wenn dies möglich ist, warum der Rest nicht auch?

Der Spannungsbogen, den Markus Heitz spannt, scheint förmlich zu vibrieren; die schnellen Sprünge zeitlich und örtlich, unterstreichen dies und lassen mich kaum zur Ruhe kommen. Voller Nervenkitzel jage ich von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel und das Buch fand leider viel zu schnell ein Ende. Als eine Art Leitfaden agiert Geneves Mutter, die mich durch die Geschichte führt. Sie berichtet nicht nur von den aktuellen Schauplätzen, sondern auch von dem Beginn ihrer Familientradition und bringt die Geschehnisse damals und heute in Einklang. Teils erklärend, teils weisend, aber nie zu viel verratend begleitete sie mich durch die mir fremde Welt der Henker. Mir war nicht klar, was diese Zunft leistet und vermutlich in dem ein oder anderen Land immer noch leistet.
Wunderbar gefielen mir die kleinen Andeutungen zu anderen Werken des Autors. Wer sie kennt, versteht und findet sie, wer nicht, überliest die Stellen vermutlich, ohne etwas zu vermissen.

Die Charaktere tragen das Buch. Oder eher die Handlung. Nein, eine Mischung aus beidem, denn ich könnte nicht behaupten, dass die Personen beliebig austauschbar wären und sich Markus Heitz auf die Handlung alleine stützt. Ganz im Gegenteil baut das eine auf das andere auf.
Im Mittelpunkt steht Geneve Cornelius, die sich ihre Unsterblichkeit erarbeitet hat und mit den Nebenwirkungen kämpft. Sie kann getötet werden, leidet allerdings nicht an den Folgen des Alters. Auf den ersten Blick ist sie eine Heilige, wenn auch nicht im kirchlichen Sinne. Als Heilerin hilft sie nicht nur Menschen, sondern auch anderen Wesen und versucht, sich ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Sie möchte nicht Partei für die ein oder andere Seite ergreifen, sondern jedem helfen, der Hilfe benötigt. Doch genau hier ist auch ihre Schwäche zu finden, die sich über die Jahrhunderte verstärkte und ausprägte. Manch einer mag es auch Feigheit nennen, andere sehen eine Heldin. Aber auch hier beweist Markus Heitz Größe, bezieht keine Stellung, sondern überlässt seinen Lesern das Urteil.
An Geneves Seite auf der Suche nach dem Mörder ihrer Familie ist Alessandro Bugatti. Ich muss gestehen, dass mir seine Einschätzung recht schwer fiel; ist er gut? Ist er böse? Was für ein Spiel spielt er? Bei seinem Zusammentreffen mit Geneve stand an erster Stelle, dass er seinen Ruf als unbescholtenen Bürger und Ermittler des Vatikan reinwaschen will und er nicht mit dem Mord an Jacob Cornelius in Verbindung gebracht werden möchte. Doch ist er wirklich ein treuer Kumpan und will die Fehde zwischen den beiden Familien beenden?

Mein Fazit

Ein Buch, das mehr Fragen aufwirft, als es klärt. Und ein Buch, das mich voller Spannung und Freude auf den nächsten Teil blicken lässt. Mal wieder grandios!
 
 
 


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