Jay Kristoff Das Reich der Vampire 2
Das Reich der Verdammten: A Tale of Pain and Hope
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»Das Reich der Verdammten: A Tale of Pain and Hope« (Das Reich der Vampire 2) von Jay Kristoff
Seit die Sonne nicht mehr scheint, sind die Vampire erstarkt und haben die Menschheit unterjocht. Nur wenige stellen sich ihnen entgegen, darunter die Silberwächter der Bruderschaft von San Michon. Ihr größter Krieger ist Gabriel de Leon, doch das Schicksal wollte es, dass er dem Feind in die Hände fiel. Seither zwingt der Chronist der Vampirkönigin ihn dazu, seine Vergangenheit Stück für Stück zu offenbaren, um seine Taten ans Licht zu bringen. Dies ist seine Geschichte.
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Und weiter geht es mit der Geschichte um Gabriel de Leon und dem „Heiligen Gral“ namens Dior Lachance. Das, was Jay Kristoff mal wieder präsentiert ist für mich einfach nur erste Sahne. Auch wenn es sich erneut um einen Ziegelstein mit rund eintausend Seiten handelt, liest sich der Nachfolgeband schnell weg. Langeweile kommt für mich nicht auf, denn egal an welcher Stelle im Buch man sich gerade befindet – immer passiert etwas. So ist es eigentlich gar nicht möglich eine adäquate Inhaltsangabe (natürlich ohne zu viel zu verraten) abzuliefern. Es passiert einfach zu viel, die Ereignisse überschlagen sich, die Handlungsorte wechseln ohne Unterlass.
Wie auch im ersten Band befindet sich Gabriel immer noch in der Gefangenschaft der Vampirkönigin Margot Chastain und erzählt ihrem Chronisten Jean-Francois seine Geschichte rund um den Heiligen Gral: Wie er seine totgeglaubte Schwester Celene Castia „wiederfand“ (oder von ihr gefunden wurde, je nachdem wie man es sieht), wie er die ebenfalls totgeglaubte Phoebe trifft oder seinen ebenso lange nicht-mehr-gesehenen Schüler Lachlan a Craeg, die alle noch eine sehr große Rolle im vorliegenden Buch spielen werden.
Im Gegensatz zum ersten Band, wird hier die Geschichte aber nicht nur von Gabriel erzählt, sondern auch aus der Sicht seiner Schwester Celene, die sich ebenfalls in der Gewalt von Margot Chastain befindet. Die Erzählperspektive ändert sich zu dem Zeitpunkt, als Gabriel von Dior getrennt wird und nur noch Celene als ihre Begleiterin fungiert. Da der Chronist nun von Gabriel nichts mehr über den weiteren Weg von Dior erfahren kann, wendet er sich fortan Celene zu. Erst gegen Ende des Buches, wenn Gabriel und Celene sich im selber Raum mit dem Chronisten befinden und in ihrer Geschichte wieder vereinigt sind, wechseln sie sich beim Erzählen ab. Das birgt einen schönen Reiz, denn oftmals wird ein und dieselbe Sache aus der Sicht von zwei Personen erzählt, die sich gegenseitig nicht grün sind und die Sachlage anders wahrnehmen als ihr Pendant.
Bis es zur erneuten Vereinigung von Dior und Gabriel kommt, müssen beide mancherlei schaurige und spannende Abenteur bestehen. Während Gabriel mit den Schattentänzern in Berührung kommt, wird Dior von Edelblütern aus dem Hause Dyvok entführt und in deren Festung gebracht, wo sie durch den Biss der Vampirkönigin Lady Lilidh zu einer Hörigen gemacht werden soll, die sich dem Willen der Vampirin auf ewig unterordnen muss. Da allerdings auch Fabien Voss Anspruch auf Dior erhebt, droht hier ein Krieg zwischen den Vampirhäusern auszubrechen. Natürlich trifft genau zu dem Zeitpunkt Gabriel mit zwei Heeren, dem der Schattentänzer und dem der Silberwächter, am Brennpunkt der Geschichte ein. Was eigentlich nur eines bedeutet: Tod, Kampf, Krieg, Verwüstung und Abschlachtung. Wie man es als Leser halt so mag.
Allein diese kurze Zusammenfassung deutet an, wieviel im vorliegenden Buch passiert und das es mehr als hoch hergehen wird. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass alle Beteiligten erfahren, wie die Vampire auf die Welt gekommen sind und welch unglaublich schweres Schicksal Gabriel am Ende der Geschichte wird ertragen müssen?
Auch wenn die vorliegende Geschichte nicht mehr viel mit der müden Story um Graf Dracula gemein hat, so haben sich dennoch ein paar typische Klassiker der Vampirgeschichte erhalten. Nach wie vor reagieren die bissigen Kollegen nicht gut auf Silber oder können sich gar im Spiegel betrachten. Einzig wie sie auf Knoblauch reagieren, bleibt ungewiss. Ebenso wird, wie bereits im ersten Band, wieder kräftig geflucht, geschimpft und gesoffen. Bemerkenswert sind auch die erotischen Einlagen. Das, was Kristoff hier zu Papier bringt, ist manchmal schon starker Tobak. Da kann einem mitunter richtig warum ums Herz und … etwas eng in der Hose werden. Ob Mann mit Frau oder Frau mit Frau oder Mann mit Mann ins Bett geht, ist zweitrangig (aber, ist ja auch OK).
Richtig emotional wird es auch, wenn Kristoff die Zustände innerhalb der Festung der Vampire beschreibt. Lebende Menschen, die an den Füßen an der Decke aufgehangen sind und denen die Kehle zum Ausbluten durchgeschnitten wird (egal ob es ein Erwachsener oder ein Kind ist) oder Schlachtfarmen in denen die Körper der Ausgebluteten regelrecht geschlachtet werden um die Menschen zu füttern, die noch in Käfigen gefangenen sind. Die Menschen werden von den Vampiren durchgehend als Vieh bezeichnet. Man fiebert quasi den Augenblicken entgegen, in denen diese Scheixx-Vampire abgemurkst werden.
Diesen schrecklichen und manchmal nur schwer zu ertragenden Begebenheiten stehen dann wieder Szenen und Dialoge gegenüber, die teilweise geradezu tiefgründig sind und viel Wahres enthalten, z.B. über Verlust, Trauer, Ehre, Wahrhaftigkeit und den Wert von Versprechungen. Es lohnt sich dann, einfach einmal darüber nachzudenken und sie auf sich wirken zu lassen.
Mein Lieblingscharakter ist immer noch Gabriel de Leon. Er erweist sich als jemand, der mich als Leser immer noch in dem was er tut und was er sagt zu überraschen vermag. Er ist wandlungsfähig und bereit, über den Tellerrand hinaus zu denken und zu handeln. Sehr sympathisch auch in seiner schroffen Art, mit der er seine Trauer über den Tod seiner Familie überdeckt. Ich mag ihn.
Fazit
Kurz und knapp (habe eh schon zu viel geschrieben): Mehr als lesenswert! Und, zweite kurze Anmerkung: wieder ist die Übersetzung von Kirsten Borchardt spitze (davon bin ich überzeugt, auch ohne das Original gelesen zu haben). Zudem sind im Buch wieder zahlreiche sehr schöne schwarz/weiß Bilder zu finden. Alles in allem ist Das Reich der Verdammten eine runde und gelungene Sache.