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Robert A. Heinlein

Red Planet - Roter Planet

  • Autor:Robert A. Heinlein
  • Titel: Red Planet - Roter Planet
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Mantikore-Verlag
  • Datum:01 Dezember 2016
  • Preis:13,95 EUR

 
»Red Planet - Roter Planet« von Robert A. Heinlein


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Frank und Jim sind zwei Jugendliche, ihre Heimat ist der Mars. Als die beiden Freunde nach Syrtis Minor reisen um auf die dortige Lowell Akademie zu gehen, kommen sie, mehr durch Zufall denn gewollt, einer Verschwörung auf die Spur. Die zuständige Siedlungsgesellschaft hat vor, die Kolonisten aus der südlichen Siedlung den strengen Marswinter über nicht in die nördliche Siedlung umzuquartieren, sondern stattdessen die nördliche Siedlung komplett mit neuen Kolonisten zu belegen. Dieses Vorhaben könnte sich für die Kolonisten in der südlichen Siedlung als tödlich erweisen.

Daraufhin verlassen Frank und Jim fluchtartig die Akademie, um ihre Familien von dem perfiden Plan in Kenntnis zu setzen. Einer der Verschwörer ist der Direktor der Akademie, Marquis Howes. Dieser läßt die beiden Freunde verfolgen. Nicht nur das er die beiden zum Schweigen bringen will, er möchte auch noch Jim sein marsianisches Haustier Willis stehlen, um es für viel Geld an einen Zoo auf der Erde zu verkaufen. Howes Rechnung scheint aufzugehen, wären da nicht noch die Marsianer, die Jim und Frank als ihre Freunde betrachten und ihnen hilfreich zur Seite stehen.

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Roter Planet (OT: Red planet) ist eines der früheren Werke von Robert Anson Heinlein und Teil seiner zwölf Bücher umfassenden juvenile novels Reihe (heute würde man diese Bücher als young adult bezeichnen). Diese Bücher erschienen in der Zeit von 1947 bis 1958. Roter Planet wurde 1949 geschrieben ist das dritte Buch aus der Reihe. Allen Büchern ist zu eigen, dass ihre Protagonisten ein oder mehrere Jugendliche sind und das die Abenteuer in der Frühzeit der Weltraumbesiedelung spielen.

Jack Willamson hat die komplette Reihe einmal treffend mit “eine epische Story über die Ausbreitung der Menschheit über die Planeten unserer Sonne und darüber hinaus“ umschrieben. Wen wundert es also, wenn sich das Buch als eine jugendgerecht verpackte, völlig untechnischen und von einer geradezu naiven Abenteuerlust beseelten Geschichte entpuppt. Für die heutige Zeit ist es sicherlich eine Spur zu simpel gestrickt um den Leser wirklich noch fesseln zu können (die Kids sind ganz härtere und blutigere Sachen gewohnt). Man kann es aber immer noch gut mit einem gewissen Nostalgiegefühl lesen. Und dann macht es sogar Spaß.

Manchmal muss man ungewollt schmunzeln, wenn Heinlein etwa Franks und Jims Auseinandersetzungen mit dem Rektor der Akademie schildert oder das kleine Haustier Willis in den Vordergrund rückt. Das wirkt alles schrecklich naiv und teilweise auch albern, ist aber ohne Frage der Zielgruppe geschuldet. Aber gerade diese Unbeschwingtheit und Leichtigkeit ist es dann, die auch Lesefreude aufkommen läßt. Keine Versuche den Leser mit irgendwelchen Umweltproblemen oder hoch erhobenem moralischen Zeigefinger zu konfrontieren, Heinlein fabuliert statt dessen munter drauf los und bietet seinem Leser ein pures kindliches Abenteuer.

Was natürlich nicht fehlen darf, sind die marsianischen Ureinwohner. Freundlicherweise waren diese dazu bereit, sich der menschlichen Kolonisierung des mit Eiskappen überzogenen Mars nicht entgegenzustellen. Sie verlangten dafür als Gegenleistung nur etwas Ruhe um in ihren unterirdischen Städten (Höhlen) leben zu können. Diese sind durch kilometerlange Transportsysteme untereinander verbunden und legen Zeugnis dafür ab, dass auch die Marsianer einst über ein hohes technologisches Wissen verfügt haben. Warum sie sich nun in Höhlen zurückgezogen haben und mehr auf der metaphysischen Ebene „untewegs“ sind, weiß man nicht. Auf jeden Fall haben sie Jim, Frank und ganz besonders Willis ins Herz geschlossen, was den Dreien nur recht sein kann.

Recht naiv wird auch der Mars geschildert. Wie in den vierziger und fünfziger Jahren üblich, ist der Mars zwar keine lebensfreundliche, aber auch nicht unbedingt eine lebensfeindliche, Welt. Die Marskanäle, schon immer ein Phänomen welches die Fantasie von so manchem Leser beflügelt hat, sind mit Eis überzogen und man kann sie auf Schlittschuhe durchqueren. Die Atmosphäre ist nicht tödlich, sollte aber nur mit Filtern genossen werden. Die menschlichen Kolonien stecken noch in den Kinderschuhen und versprechen ein arbeitsreiches, aber auch aufregendes Leben, in dem sogar die Kinder Waffen tragen dürfen. Ein Punkt, der in der allerersten Übersetzung noch außen vor gelassen wurde, passte er doch nicht in das damalige Weltbild der Deutschen (offensichtlich war man sich noch der vierzehn- und fünfzehnjährigen Soldaten der Wehrmacht knappe 7 Jahre zuvor bewußt).

Die Charaktere sind leider alle sehr oberflächlich und eindimensional. Alles konzentriert sich auf Jim und Frank, alle anderen müssen noch weiter zurückstecken. Lediglich Direktor Howes, der sich als echtes Ekelpaket entpuppt, ragt etwas heraus und sorgt durch sein Verhalten für die emotionalen Höhepunkte. Die Verschwörung ist recht simpel und wird genauso simpel auch wieder aufgelöst. Der tiefere Sinn der Verschwörung bleibt im Unklaren, immerhin würden die möglichen Todesfälle unter den Kolonisten auch auf die Urheber ein schlechtes Licht werfen und zu Konsequenzen führen. Raffinierte Schachzüge der Beteiligten bleiben daher auch aus, stattdessen zückt man seine Waffen und läßt diese für sich sprechen. Die einzigen, die sich als Partycrasher einen Namen machen, sind die Marsianer, denn diese haben nun endgültig die Nase voll von ihren kriegerischen und gewalttätigen menschlichen Mitbewohnern und drohen ernsthafte Konsequenzen an. Dennoch gilt: Ende gut, alles gut.

Fazit
Nette Abenteuergeschichte für zwischendurch. Nichts tiefgründiges, aber durchaus unterhaltsam. Ob die Neuübersetzung wirklich nötig war, sei mal dahingestellt. Geschadet hat sie aber auch nicht.
 
 
 


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