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Z. A. Recht

Die Jahre der Toten

  • Autor:Z. A. Recht
  • Titel: Die Jahre der Toten
  • Serie:
  • Genre:Horror
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:09 Juli 2012
  • Preis:8,99 EUR

 
»Die Jahre der Toten« von Z. A. Recht


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(5)

 
 
Im Jahr 2006 bricht in Afrika der Morgenstern Virus aus. Jeder Infizierte verwandelt sich dabei in kürzester Zeit in eine rasende Bestie, bestrebt den Virus, durch einen Biss, an die noch gesunden Menschen weiterzugeben. Man kann die Infizierten zwar töten, doch diese verwandeln sich danach in kurzer Zeit zu Zombies, was auch nicht viel besser ist.

Die vereinten Streitkräfte Europas, Afrikas und der USA versuchen unter anderem in Ägypten eine Art Auffangstellung zu errichten und so die Infektion auf den afrikanischen Kontinent zu beschränken. Dieses Unterfangen schlägt fehl und die untote Flut verbreitet sich weiter. Mittlerweile hat der Morgenstern Virus, durch heimkommende Fluggäste die unwissentlich infiziert waren, auch in Amerika Fuß gefasst. Das Chaos bricht aus, der Untergang der Welt scheint bevorzustehen.

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Auch wenn ich so langsam aber sicher das Gefühl habe das alle Zombie Romane, mehr oder weniger, nach dem gleichen Muster verlaufen und recht wenig variieren, man also sagen kann – Kennt man einen, kennt man alle -, lässt mich dies Art Genre einfach nicht los. Auch das vorliegende Buch von Zachary Allan Recht ist mal wieder ein echter Seitendreher, quasi in Rekordzeit von mir verschlungen. Glücklicherweise ist der Autor kein Freund von Splatterszenen, die Beschreibung von herausgerissenen Gedärmen oder durch die Gegend spritzender Gehirnmasse ist nicht Hauptgegenstand des Buches. „Schade“, werden die einen sagen, „dem Himmel sein Dank“, Leute wie ich. Der Reiz an solch einer Zombiegeschichte ist für mich immer der Überlebenskampf einzelner, die sich gegen eine erdrückende Übermacht zur Wehr setzen müssen. Die vielfältigen Todesarten an sich und deren Beschreibungen muss ich hingegen wirklich nicht lesen.

Die Geschichte hat am Anfang zwei voneinander unabhängige Handlungsstränge, von denen einer in den USA und der andere in Afrika spielt, und die sich im weiteren Verlauf annähern. Die beiden jeweiligen Hauptprotagonisten dieser Handlungsstränge, Lt. Colonel Anna Demilio und Maj. General Francis Sherman, kommunizieren per E-Mail miteinander. Beide scheinen vor dem finalen Ausbruch der Seuche über den Morgenstern Virus Bescheid zu wissen. Als Leser fragt man sich sofort wie tief beide wohl in dieser Sache involviert und wie weit sie an dem Ausbruch selbst beteiligt sind. Der E-Mail Verkehr liest sich wirklich gut, die unpersönliche und emotionslose Diskussion zweier hoher Militärs, für die die Infizierten lediglich notwendige Opfer zu sein scheinen um die zwar tödliche, aber dennoch durchaus interessante, Krankheit näher unter die Lupe nehmen zu können. Beide erweisen sich im weiteren Verlauf jedoch als integer und eifrig bemüht die Krankheit zu bekämpfen und die ihnen anvertrauten Menschen zu beschützen.

„In einem Krieg oder einer extremen Situation“, so sagt einer der Nebencharaktere, „treten immer die besten oder die schlechtesten Eigenschaften der Menschen hervor.“ Dieser altbekannte Satz gewinnt auch hier an Bedeutung, denn entweder man kümmert sich nur um sich selbst oder man trägt auch Sorge für die anderen in der Gruppe. Von beiden Verhaltensweisen sind im Buch genug Beispiele vorhanden. Spannend ist die Frage wie man sich selbst verhalten würde wenn die Zivilisation in Trümmern liegt und das Chaos regiert.

Beide Hauptcharaktere haben ihre Entscheidungen getroffen. General Sherman kämpft sich, nachdem die Auffangstellung überrannt wurde, mit einer kleinen Kampfeinheit und einigen evakuierten Zivilisten durch Ägypten, schifft auf dem Kriegsschiff USS Ramage ein und zieht sich nach Amerika zurück wo er Colonel Demilio treffen will um an einem Gegenmittel für den Morgenstern Virus zu arbeiten. Da er nicht sinnlos bei der Vernichtung der zombieverseuchten Städte verheizt werde möchte, quittiert er seinen Dienst, man kann es auch als desertieren bezeichnen, und lässt seinen Reisegefährten die Wahl ob sie ihn begleiten möchten oder nicht. Er hat eine charismatische Ausstrahlung und entpuppt sich als der geborene Anführer, den seine Reisegefährten brauchen.

Genau wie Sherman lehnt sich auch Colonel Demilio gegen die Regierung auf. Als sie in einem Interview die Begebenheiten in Afrika abwiegeln und den Amerikanern eine falsche Sicherheit vor dem Virus vortäuschen soll, lässt sie der Journalistin Ortiz einen Geheimbericht zukommen um die wahren Ausmaße der Katastrophe publik zu machen. Beide, Demilio und Ortiz, werden daraufhin von der NSA wegen Landesverrats inhaftiert und verschärft verhört. Mit Hilfe des NSA Agenten Mason, der angesichts der hereinbrechenden Katastrophe der Meinung ist Demilio gehöre eher in ein Labor um die Seuche zu bekämpfen und nicht in ein Gefängnis, gelingt den dreien die Flucht. Beide Gruppen, Demilios und Shermans, machen sich auf nach Omaha in Nebraska um sich dort zu treffen. Damit endet der erste von drei Teilen der Reihe -The Morningstar Strain-.

Der Autor Zachary Recht, der leider viel zu früh mit 26 Jahren am 10. Dezember 2009 verstorben ist, hat eine gut zu lesende und flüssige Schreibweise. Er kennt sich mit militärischen Gepflogenheiten aus, er selber diente als Scharfschütze in der Army und stieg bis zum Gruppenführer auf, und versteht es dem Leser die Geschichte spannend und mitreißend zu schildern. Die Charaktere wirken gut durchdacht, wenn auch teilweise etwas stereotyp, und man fiebert so ein bisschen mit ihnen mit, ihr Schicksal lässt einen nicht kalt.

Der Nachfolgeband, Aufstieg der Toten, ist für Oktober 2012 geplant, der Übersetzer ist, wie auch im vorliegenden Buch, Ronald M. Hahn, der meines Erachtens eine wirklich gute Arbeit abgeliefert hat. Der dritte Band, Survivors: The Morningstar Strain, wurde von Recht zwar noch begonnen, er starb aber während des Schreibens, so dass der Roman von Thom Brannan fertig gestellt wurde.

Als mein 10jähriger Sohn das Cover des Buches sah, wollte er wissen worum es in dem Buch geht. Als ich ihm eine kurze Inhaltsangabe gab fragte er mich: „Das kann aber nicht wirklich passieren, oder?“ Ich fühlte mich daraufhin so ein bisschen in die Lage von Colonel Demilio versetzt die ihre amerikanischen Mitmenschen beruhigen sollte obwohl sie selbst das Schlimmste befürchtete. Als guter Vater sagte ich meinem Sohn natürlich: „Nein, das hat sich einer ausgedacht, dass kann nicht wirklich passieren.“ Allerdings, wer weiß mit welchem Zeugs und mit welchen Erregern gerade jetzt, in diesem Augenblick, irgendwo auf der Welt experimentiert wird? Es gibt genug kranke Gehirne die sich in irgendwelchen militärischen oder terroristischen Laboratorien auch den letzten hirnverbrannten Blödsinn ausdenken um gegenüber wem auch immer biologisch, chemisch und atomar im Vorteil zu sein.

Vielleicht ist dieses Buch ja morgen schon der Stoff aus dem die Alpträume sind?
 
 
 


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