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Terry Pratchett

Scheibenwelt
Dralle Drachen: und andere Storys vom Schöpfer der Scheibenwelt


 
»Dralle Drachen: und andere Storys vom Schöpfer der Scheibenwelt« (Scheibenwelt) von Terry Pratchett


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3)

 
 
Dralle Drachen (OT: Dragons at Crumbling Castle) ist eine Kurzgeschichtensammlung des damals noch unbekannten jugendlichen Terry Pratchett und vermutlich (so scheint es mir) ein verzweifelter Versuch des Doubleday Verlages noch schnell vor Pratchetts Tod einen kleinen Reibach mit bisher noch nicht veröffentlichten Geschichten zu machen. Das mag vielleicht etwas hart klingen, aber die Geschichten sind recht unausgegoren, handwerklich doch eher dürftig und stilistisch schlicht. Es wäre daher nicht fair, diese Storys mit den späteren Romanen von der Scheibenwelt zu vergleichen.

Möglicherweise mag es daran liegen, dass sie wohl eher für Kinder, statt für Jugendliche oder Erwachsene, gedacht waren. Gute-Nacht-Geschichten, wie man sie Kindern erzählt die man zu Bett bringt und die ihren Schlaf mit den Worten „Kannst du mir noch eine Geschichte erzählen? Bitte, bitte“ hinauszögern wollen. Es sind Geschichten über Zeitreisen, Ritter, Drachen und Abenteurer – kindgerecht verpackt und die somit, davon bin ich überzeugt, ihren Zweck erfüllen. Wenn man sich damit arrangieren kann, kommt man mit dem vorliegenden Buch durchaus gut zurecht.

Enthalten sind auf den rund 317 Seiten insgesamt 14 Kurzgeschichten. Zwei davon beschäftigen sich mit den Teppichvölkern, jenen Völkern, denen Pratchett ein paar Jahre später ein eigenes Buch gewidmet hat. Illustriert werden diese Geschichten mit Zeichnungen von Mark Beech. In der Regel sind diese aber recht „einfach“ gehalten, nichts wirklich anspruchvolles. Die Zeichnungen, wäre ich bösartig würde ich Krakeleien schreiben, hätten auch von Kindern sein können.

Hier die Storys im Einzelnen:

1. Dralle Drachen
Ein vermeintlicher Drachenüberfall auf die Bröckelnde Burg veranlasst König Artus einen seiner weniger wichtigen Ritter, Ritter Ralph, in den Einsatz zu schicken. Doch der Drachenüberfall entpuppt sich eher als großes Missverständnis das der kleine Drachenprinz unfreiwillig verursacht hat.

2. Das große Staubkorn
Zwei rivalisierende Königreiche, die beide auf dem gleichen Staubkorn leben, wetteifern um die Erforschung eines weiteren Staubkorns auf dem Leben entdeckt wurde. Mit zwei Fluggeräten macht man sich auf den Weg um die trennende Kluft von zwei Zentimetern zu überbrücken und erleidet prompt Schiffbruch.

3. Jagd auf den Snorry
Eine bunt zusammengewürfelte Forschergruppe macht sich auf, um am Amazonas den seltenen Snorry zu suchen und zu finden. Obwohl keiner weiß wie er aussieht, findet man ihn – oder vielmehr er die Forscher.

4. Geschichten über das Teppichvolk
Die Bewohner des Dorfes „Beim Gefallenen Streichholz“ müssen sich eine neue Bleibe auf dem großen Teppich suchen. Es wird eine gefahrvolle Reise, aber wie einst Mose die Israeliten ins gelobte Land führte, sorgt auch der kluge Snibril für die Seinen.

5. Herkules die Schildkröte
Wie langweilig ist das Leben für die Schildkröte Herkules doch im eigenen Garten. Die unbekannte Wiese, gleich hinter dem Schuppen, verheißt dabei doch so viele Abenteuer – auch wenn dort eine gefährliche Schlange lebt.

6. Dok der Höhlenmensch
Dok, eine Art McGyver der Vorzeit, ist Entdecker, Tüftler und Bastler. Sehr zum Leidwesen seines Stammes entdeckt er das Rad, das Feuer, das Haus, das gebratene Mammut und – die Geschichte der Menschheit.

7. Das große Rennen
Ein Wettstreit zwischen zwei Erfindern. Der eine hat den benzinbetriebenen Motor, der andere den dampfbetriebenen erfunden. Ein Wettstreit muss entscheiden, welcher Antrieb zukunftsweisend sein wird.

8. Noch eine Geschichte über das Teppichvolk
Snibril und Bane, die beiden Protagonisten aus der ersten Teppichvolk-Geschichte, machen sich mit einem Schiff und ein paar Getreuen auf, um jenseits des Teppichs neue Abenteuer zu erleben. Ein paar Fusseln und ein Holzwurm entpuppen sich dabei als große Herausforderung.

9. Die große Eiertanz-Meisterschaft
Zwei rivalisierende Dörfer kämpfen um den diesjährigen Titel im Eiertanz. Einer der beiden Champions steht vor einem moralischen Dilemma. Liebe oder Ehre – das ist hier die Frage.

10. Edwo der langweilige Ritter
Edwo, der jüngste von drei Brüdern, hat es nicht leicht. Er ist zwar hochintelligent, dafür aber auch ein unglaublicher Langweiler. Als ihm ein Zauberer zweieinhalb Wünsche gewährt, kommt ihm das gerade Recht, denn es gilt eine Prinzessin zu befreien.

11. Der Bus 59A fährt in die Vergangenheit
Eine Zeitreise die in England der sechziger (?) Jahre beginnt und in der sich die vier Insassen des Busses im Laufe der Ereignisse gegen ein paar Römer, Ritter und Dinosaurier behaupten müssen. Zum Glück schafft man es aber mit nur 25 Minuten Verspätung wieder zu Hause einzutreffen.

12. Der schreckliche Schneemann
Eine Forschergruppe macht sich auf, um im entfernten Chilistan den schrecklichen Schneemann zu suchen. Unterwegs treffen sie auf die witzigen Mönche, die der Meinung sind, dass mit dem Erzählen aller Witze dieser Welt, diese untergehen wird. Also setzt man die Suche nach dem schrecklichen Schneemann schnell wieder fort.

13. Das Blackbury Ungeheuer
Blackbury ist ein langweiliger und unbekannter Ort. Der Bürgermeister möchte das gerne ändern. Aber Vorsicht, wie sagt doch ein altes Sprichwort: Pass auf was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.

14. Der Weihnachtsmann arbeitet im Zoo
Frau Weihnachtsmann ist sauer da ihr Gatte nur an einem Tag im Jahr arbeitet und das Geld daher knapp ist. Also schickt sie ihn zum Arbeitsamt, aber ihr Mann ist zwar „für alles zu haben, aber zu nichts zu gebrauchen“ – dafür jedoch 600 Jahre alt, was auch seine Vorteile hat


Auch wenn mich die Geschichten nicht wirklich vom Hocker reißen konnten, habe ich doch zwei davon sehr genossen. Dok der Höhlenmensch und Herkules die Schildkröte. Beide sind mit Witz und Humor erzählt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meinen Kindern diese Storys als Gute-Nacht-Geschichten gefallen hätten. Auch wenn es mir oftmals schwergefallen ist diesen Expose-Stil zu goutieren, möchte ich nicht den Stab über das Buch brechen. Man spürt auf der einen Seite schon die Ideenvielfalt Pratchetts und seine überbordende Fantasie, aber auf der anderen Seite merkt man auch, dass er noch ganz am Anfang seines Schaffens steht und noch einiges im Argen liegt.

Als Leser habe ich die Wahl: Ist das Buch nun eine Ansammlung missglückter erster Schreibversuche oder einfach nur ein Buch für Kinder? Bewusst einfach und schlicht gehalten. Ich habe mich für letzteres entschieden und kann gut damit leben.
 
 
 


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