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Steve White

Starfire 1
Rebellion

  • Autor:Steve White
  • Titel: Rebellion
  • Serie:Starfire 1
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:12 August 2013
  • Preis:8,99 EUR

 
»Rebellion« (Starfire 1) von Steve White


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(5)

 
 
Es gibt Themen in der SF, die wiederholen sich in gleichbleibender Regelmäßigkeit. Der Kampf menschlicher Kolonien gegen ihren Mutterplaneten um politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit ist eines dieser Themen. Da in der Regel dabei die Waffen sprechen, ist es nicht verwunderlich, dass sich ausgerechnet David Weber, mitsamt Steve White, diesem Kampf um Unabhängigkeit widmet. Auch wenn mich Webers letztes Werk Der Widerstand nicht vom Hocker hauen konnte, so erweist sich dafür das vorliegende Buch Starfire : Rebellion (OT: Starfire Insurrection) für mich als absoluter Volltreffer.

Die menschliche Föderation, auf ein Raumvolumen von rund 1400 Lichtjahren verteilt, ist in verschiedene Gebiete aufgegliedert. Um den Mutterplaneten Old Terra herum gruppieren sich die zuerst besiedelten Planten, Kern- oder auch Herzwelten genannt. Die nächste Stufe der Besiedelung brachte die sogenannten Konzernwelten hervor. Diese Welten wurden einst von mächtigen Wirtschaftsunternehmen besiedelt, die ihre Lizenzen dazu von Old Terra kauften. Diese Welten sind in der Regel reich und wohlhabend und besitzen im Rat der Föderation, dem Zusammenschluss aller Welten, eine gewichtige Stimme. Weniger gewichtig sind die Stimmen der Grenz- bzw. Randwelten, die sich zumeist aus homogenen ethnischen und religiösen Gruppen von Kolonisten gründeten. Diese Welten sind arm und werden durch die Konzernwelten ausgebeutet. Gute Voraussetzungen also, um Neid, Missgunst und Vorurteile untereinander zu schüren. Verbunden sind diese Planeten durch eine Vielzahl von Sprungtoren, Anomalien im Raum-/Zeitgefüge, die den Benutzern einen Sprung über mehrere Lichtjahre hinweg erlauben.

Als die Konzernwelten durch einen (vermeintlich) geschickten Schachzug eine Möglichkeit sehen die ohnehin schon begrenzte Macht der ungeliebten Grenzwelter im Rat der Föderation noch weiter zu beschneiden, kommt es zum Eklat und zum offenen Bruch. Die Grenzwelten verlassen die Föderation und proklamieren ihre Unabhängigkeit, rufen die Republik aus. Die Föderation schickt daraufhin ihre Raumflotte aus, um die Rebellen zu bekämpfen und die Rebellion niederzuschlagen. Was jedoch offensichtlich niemand in der Föderation bedacht hat ist die Tatsache, dass rund sechzig Prozent der Flottenangehörigen sich aus Grenzweltlern zusammensetzt. Und diese müssen sich nun entscheiden, ob sie ihren Eid auf die Föderation befolgen und ihre Heimatwelten bekämpfen oder ob sie sich mit fliegenden Fahnen der Rebellion anschließen und ihre Heimatwelt verteidigen.

Tragisch, tragisch, war der erste Gedanke der mir kam, als ich die Entwicklung dieses Bürgerkrieges verfolgte. Im Prinzip sind es immer die gleichen Faktoren die dazu führen, dass ein Volk untereinander uneins wird: Unfähige Politiker, machtversessene Militärs, Ignoranz, Unbarmherzigkeit und jede Menge Vorurteile. Die Grundsituation die Weber und White hier schildern ist verfahren, die weitere Entwicklung dafür unausweichlich. Die Sympathien, was die politischen Systeme anbelangt, sind irgendwie eindeutig verteilt. Die Grenzwelten sind die Guten, die Konzernwelten die Bösen. Was nicht so eindeutig ist, ist die gut/böse Verteilung im Bezug auf die handelnden Charaktere. Bis auf wenige Ausnahmen sind alles Opfer. Brave Soldaten, die keinen Krieg wollen, aber nun hin- und hergerissen sind, gefangen von ihren persönlichen Pflicht- und Moralvorstellungen. Gerade die Soldaten der Grenzwelten haben die sprichwörtliche Arschkarte gezogen. Sie können in dem nun abzusehenden Krieg nur zum Verräter werden. Entweder zum Verräter an der Föderation, der sie einen Eid geleistet haben, oder zum Verräter an ihrer Heimatwelt, die sich gegen die Föderation ausgesprochen hat. Sie müssen sich für eine Seite entscheiden. Neutralität gibt es nicht.

Auch wenn das vorliegende Buch doch frappierend an den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 erinnert, sogar die Unabhängigkeitserklärung wird verlesen, muss man natürlich beachten, dass die Geschichte, oder vielmehr der Hintergrund dazu, nicht auf Webers oder Whites Mist gewachsen ist, sondern auf einem gleichnamigen Strategiespiel aus den neunziger Jahren beruht. Die beiden Autoren haben es nur mit etwas mehr Leben gefüllt. Und das haben sie nach meinen Dafürhalten wirklich klasse hinbekommen. Die Geschichte lässt mich als Leser nicht kalt, die Tragik und der Wahnsinn dieses Krieges spiegeln sich für mich auf jeder Seite wieder. Hier kämpft nicht ein Unsympath gegen einen anderen, nein, hier schlagen sich eine Vielzahl liebenswerte Charaktere gegenseitig die Köpfe ein. Die Gründe dafür sind bei allen nachvollziehbar und verständlich.

Die dabei geschilderten Raumschlachten sind oppulent und gigantisch. Wie man es von Weber kennt (zu Steve White kann ich leider nicht viel schreiben) wird viel Wert auf die Beschreibungen und Wirkungen der Waffen gelegt. Allerdings hält sich der Anteil der Weltraumschlachten am Gesamtumfang des Buches in Grenzen. Den politischen Intrigen und militärischen Planungen der einzelnen Kontrahenten ist ebenfalls viel Raum gewidmet. Das macht das Geschehen abwechslungsreich und interessant.

Die Schreibweise ist ansprechend. Langeweile durch großes Rumgeschwafel gibt es für mich nicht. Die Handlung wird konsequent fortgeführt und zeigt abwechselnd einen Blick auf beide Seiten – die der Rebellen und die der Föderation. Für mich behalten die beiden Autoren zudem eine wohltuende Neutralität gegenüber beiden Kontrahenten bei. Niemand wird besonders gelobt oder bevorzugt, keiner wird verteufelt, die Gut/Böse Schublade wird, wie schon geschrieben, bis auf zwei oder drei Ausnahmen nicht gefüllt. Die maßgeblichen Charaktere sind gut ausgearbeitet und man kann des Öfteren einen schönen Einblick in ihre Psyche und ihr Seelenleben nehmen. Man lernt zu verstehen, warum sie so und nicht anders handeln. Es sind keine Stereotype die wie Roboter, ohne Herz und ohne Verstand, vor sich hinwerkeln. Weber und White präsentieren sie dem Leser als das was sie sind: fehlbare Menschen in einer fast ausweglosen Situation.

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und kann für sich allein gelesen werden. Der vermeintliche Nachfolgeband Starfire : Kreuzzug ist daher auch keine direkte Fortsetzung der in diesem Buch stattgefundenen Ereignisse, sondern ein Prequel, das zeitlich vor diesem Buch spielt und die Ereignisse schildert, die sich während der Annäherung der Föderation an das Khanat von Orion, einer außerirdischen Zivilisation im Orionnebel, zugetragen haben. Ich freue mich schon drauf.
 
 
 


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