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Stephen Hunt

Das Königreich der Lüfte

  • Autor:Stephen Hunt
  • Titel: Das Königreich der Lüfte
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:09 Mai 2011
  • Preis:EUR 9,99 EUR

 
»Das Königreich der Lüfte« von Stephen Hunt


Besprochen von:
 
BelleCarys
Deine Wertung:
(2.5)

 
 
Molly und Oliver sind Waisen und stehen aus unterschiedlichen Gründen am Rande der Gesellschaft. Molly weiß nichts über ihre Eltern, wächst im Armenhaus auf und ist damit deutlich der untersten Schicht zugeordnet. Oliver wächst bei seinem Onkel auf, ist aber trotzdem ein Außenseiter, denn er hat als Kind mehrere Jahre im Irrnebel verbracht, einer Substanz, die dafür sorgt, dass jeder Mensch der mit ihm in Berührung kommt, magischen Mutationen unterliegt, die er bald nicht mehr kontrollieren kann und die den Körper des Betroffenen schließlich aufzehren. Er steht unter regelmäßiger Bewachung durch die Regierung und sein Leben ist extrem eingeschränkt.

Für das große Ganze der Gesellschaft im Königreich Jackal, einem Land in dem Magie gleichermaßen wichtig ist wie die Errungenschaften der Wissenschaft im Bereich der Maschinentechnik, sind die beiden Kinder unbedeutend, und doch sehen sich beide plötzlich jeweils einem Anschlag auf ihr Leben gegenüber. Unabhängig voneinander führt sie die Flucht vor ihren Widersachern ins Herz des Kampfes um das Königreich, und plötzlich sind es zwei Kinder, die das Schicksal des Landes entscheiden.

Leseeindrücke:
Stephen Hunt’s Roman präsentiert auf gut 800 Seiten den Entwurf einer Welt, in der Magie und Maschinen gleichermaßen zum Einsatz kommen. Er schafft das Königreich Jackal, ein Land mit genügsamen, einfachen Menschen, die über ein ausgeglichenes Temperament verfügen und damit eigentlich zur idealen Beute ihrer Nachbarn werden müssten. Doch sie haben noch etwas, dass sie auszeichnet: Die Königlich-Aerostatische Marine (kurz KAM). Diese Luftschiffe, in Kombination mit der Zähigkeit und dem Kampfesmut den die Jackalianer aufbringen wenn es um den Schutz ihrer Heimat geht, lassen das Königreich seit Jahrhunderten ungeschlagen und stark zurück.

Hunt entwirft weitere Völker um die Jackalianer herum, die interessantesten von ihnen sicher die Dampfmänner, ein Volk von beseelten Maschinen. Vor allem für Molly werden sie zu engen Vertrauten, denn das Mädchen verfügt über eine besondere Gabe im Umgang mit allem technischen.

Die Handlung selbst ist grundsätzlich schlicht, und doch gleichzeitig unnötig überladen. Ein religiöser Fanatiker, der sich Tzalyloc nennt, pervertiert einen dem Kommunismus sehr ähnlichen Grundgedanken und versucht, die Jackalianische Regierung zu unterwandern und schließlich abzuschaffen, um die Wildcaotyl - insektenartige Gottheiten – wieder an die Macht zu bringen. Im Zentrum seiner Philosophie steht die Gleichmachung und die Götter, die er anbetet und er selbst sind getrieben vom Hass auf alles Maschinelle. Diese Idee wird allerdings etwas ad absurdum geführt, denn Tzlayloc kombiniert in seinem Gleichmachungswahn Menschen mit Maschinenteilen und schafft so eine Abart der Dampfmänner (wer Doktor Who gesehen hat, wird sich an die Cybermen erinnert fühlen). Zusätzlich strickt Hunt noch eine geheimdienstartige Überwachungsinstanz ein, des Weiteren einen abtrünnigen Teil dieser Institution; hinzu kommen die durch den Irrnebel zu Übermenschen gewordene Garde des Königs und der zukünftige König selbst; ein in einer Anstalt einsitzenden Irrnebler der mit Oliver über dessen Träume in Verbindung steht und die uralte magische Kraft der Hexmachina, einer Art Maschinengottheit. Dazu dürfen natürlich die jeweiligen Schicksale der Kinder und ihre (sehr sprunghaften und emotional distanzierten) Entwicklungen nicht fehlen und als Tüpfelchen auf dem I gibt es noch eine die Welt ordnende Instanz die an die Nornen erinnert und für Oliver nicht unbedeutend ist. Während Hunt grundsätzlich mit vielen interessanten Ansätzen aufwartet und mit der Kombination von Magie und Maschinen eigentlich ein unheimliches Potential für seine Geschichte mitbringt, wird „Das Königreich der Lüfte“ den Möglichkeiten, die Hunts Ideenvielfalt eigentlich mit sich bringt, in keinster Weise gerecht.

Fazit:
Alles in allem ist das Buch leider nicht empfehlenswert. Hunt hat nicht die Sprachgewalt um das inhaltlich schwache, oft verwirrende und wenig begeisternde Buch wenigstens auf Grund seines Stils lesenswert zu machen. Die Dialoge sind schleppend, die nahezu einzig sympathischen Charaktere sind die Dampfmänner. Die vorherrschenden Gestaltungsmerkmale der Geschichte sind über lange Teile hinweg Gewalt und Wahnsinn. Zudem gelingt es Hunt nicht, die vielen Ideenansätze so miteinander zu verknüpfen dass das Gefühl entsteht, man lese ein zusammenhängendes Ganzes. Die immer wieder hochgepriesene KAM, die immerhin auch titelgebend ist, findet nie wirklich Eingang in die Erzählung, es wird über sie erzählt aber sie kommt kaum handelnd zum Einsatz. Das Buch bleibt, auch wenn am Ende alle zum großen Endkampf zusammen finden, über weite Teile fragmentarisch und Ideen werden nur angerissen und bleiben oberflächlich. Mir ist es nie gelungen wirklich in Jackal anzukommen und auch wenn es einen zweiten Band gibt, werde ich mir eine zweite Reise ins Königreich ersparen.
 
 
 


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