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Ryan North, Matthew Bennardo, David Malki

Machine of Death: Kurzgeschichten

  • Autor:Ryan North, Matthew Bennardo, David Malki
  • Titel: Machine of Death: Kurzgeschichten
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:12 März 2012
  • Preis:9,99 EUR

 
»Machine of Death: Kurzgeschichten« von Ryan North, Matthew Bennardo, David Malki


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Bei dem Buch handelt es sich um eine Sammlung, bestehend aus 34 Kurzgeschichten, die sich alle um das Thema Unter welchen Umständen werde ich zu Tode kommen drehen. Nachdem von einem der Herausgeber, Ryan North, das Konzept einer Todesmaschine entworfen wurde, fand eine landes- und länderweite Ausschreibung statt an der sich jeder beteiligen konnte der sich Gedanken zu dem Thema, in Form einer Kurzgeschichte, machen wollte. Dabei war es egal ob es sich um Profis oder Neulinge, die ihre ersten Versuche zu Wege bringen wollten, handelte. Da die Ausschreibung weltweit stattfand, trudelten mit der Zeit Geschichten aus fünf Kontinenten ein. Aus allen 675 Einsendungen wurden 30 herausgesucht und, zusammen mit vier Geschichten der Herausgeber (Ryan North, Matthew Bennardo und David Malki), in dem vorliegenden Buch veröffentlicht.

Das repräsentative Ergebnis aller ausgewählten Texte ist dabei inhaltlich sehr vielschichtig – in positiver wie in negativer Hinsicht. Eines kann man jedoch problemlos feststellen: Von ihrer schriftstellerischen Qualität her sind alle Geschichten durchaus mit gut zu bewerten, egal ob sie von Profis oder Amateuren verfasst wurden. Inhaltlich jedoch sind mir einige der Geschichten zu banal und oberflächlich.

Die Ausgangssituation der Geschichten, eine Maschine die per Blutprobe jedem den Umstand des eigenen Todes ausdruckt, ist natürlich sehr interessant und bietet viel Stoff für Spekulationen und Auseinandersetzungen mit dem Tod. Aber nicht alle Schriftsteller stellen sich dieser Herausforderung. Einige der Storys (Nr. 14 oder Nr. 22) erzählen zwar eine nette Geschichte, allerdings dient die Todesmaschine lediglich als Aufhänger, steht aber nicht im Mittelpunkt. Andere wiederum ( Nr. 16 und Nr. 34) beleuchten eher die wissenschaftliche Seite des Ganzen und verlieren sich in schwer nachzuvollziehende Dialoge über die Wirkungsweise der Todesmaschine. Die Titel der Storys sollten eigentlich den Todesumstand des in der Geschichte vorkommenden Charakters wiedergeben. Dem ist leider auch nicht immer so. Man liest einen Titel wie etwa –Brennender Marshmallow- (Nr. 1) oder –Nicht winkend, sondern ertrinkend- (Nr. 14), freut sich vielleicht auf eine abgehobene oder raffinierte Geschichte, nur um dann festzustellen, dass in der Story auf den Titel gar nicht näher eingegangen wird. Das er eigentlich nur als netter Aufhänger gedacht ist, aber nicht Gegenstand der Story. Es nimmt den Geschichten dadurch auch so ein bischen den Reiz, denn das tatsächliche Schicksal der Leute erfährt man oft gar nicht.

Je mehr Geschichten man liest, um so deutlicher wird auch das Dilemma mit dem sich die Charaktere darin herumschlagen müssen. Die Maschine gibt nur die Todesumstände wieder, nicht aber das Datum des Todes. Und selbst die Todesumstände sind oftmals nichtssagend (Nr. 31 - Wärmetod des Universums) oder vieldeutig (Nr. 21 - Zusammenstoß). In der Geschichte Nr. 23 wird das Problem für alle Beteiligten auf den Punkt gebracht:

„Was für einen Sinn ergibt es, über die Zukunft Bescheid zu wissen, wenn man mit diesem Wissen nichts anfangen kann?“

Wie geht man mit der Diagnose –Tod durch Krebs- um, wenn die Antwort auf die Diagnose mehr als schwammig ist. Man kann durch ein Krebsgeschwür sterben, von Jemandem mit dem Namen Krebs überfahren werden oder irgendwo auf einen Krebs treten, ausrutschen und durch den Sturz sterben. Einem der Charaktere wird diagnostiziert das er durch einen –Bootsunfall- sterben wird. Fortan meidet er jeden Strand, begibt sich nicht in die Nähe von Wasser, nur um später bei einem Autounfall zu sterben bei dem er durch einen Anhänger auf dem sich ein Boot befindet getötet wird. Überhaupt sind die Reaktionen der Betroffenen unterschiedlich und vielfältig. Viele ziehen sich zurück und meiden alles was ihnen irgendwie gefährlich werden könnte, manche leben ihr Leben so weiter, wie sie es auch vor bekannt werden ihres Schicksals getan hätten. Andere jedoch verfallen ins genaue Gegenteil und suchen die Gefahr. Wenn ich weiß, dass ich an Altersschwäche sterben werde, kann ich mir ja alles erlauben. Fallschirmspringen stellt keine Gefahr mehr da, denn allen von der Todesmaschine vorhergesagten Ereignissen ist eines gemeinsam: Sie treffen alle ein, die Maschine irrt sich nie. Was die Menschen jedoch so verunsichert ist die Mehrdeutigkeit der Todesursache, sie kann alles und nichts bedeuten.

Die Geschichten spielen die Vielfalt wieder die sich zwangsläufig aus dem Thema ergibt. Manche sind oberflächlich und banal, andere tiefgründig und voller Tragik, einige sind sehr lustig, andere leider zu abgehoben. Auch die Länge der Erzählungen variiert. Die kürzeste (Nr. 12) besteht gerade mal aus einem (!) Satz, die längste (Nr.25) aus 42 Seiten.

Ich kann natürlich nicht auf alle 34 Geschichten im Einzelnen eingehen, möchte hier aber mal kurz meine 5 Lieblingsgeschichten vorstellen.

Nr. 6 - Mandel: Recht witzig geschrieben handelt sie von einem gelangweilten und frustrierten Wartungstechniker der eine der neuen Todesmaschinen beaufsichtigen und die Ergebnisse an eine Zentrale, zwecks statistischer Erfassung, weiterleiten soll. Die Erzählung ist in Tagebuchform verfasst und endet mit der für mich besten Pointe des Buches.

Nr. 18 - Krebs: Eine recht traurige Geschichte die sich mit dem Dahinsiechen eines geliebten Menschen befasst. Sie zeigt zu welch verzweifelten Mitteln Menschen greifen um dem Schicksal zu entgehen. Recht tiefsinnig regt sie zum Nachdenken an, hat aber mit der eigentlichen Intention des Buches nicht wirklich viel zu tun, da die Todesmaschine nur am Rande involviert ist.

Nr. 24 – Nichts: Für mich eine sehr anrührende Geschichte um eine Enkelin und ihren Großvater, wobei die eigentliche Verwandtschaftsbeziehung komplizierter ist. Sie hat das Thema Einsamkeit durch Verlust geliebter Menschen.

Nr. 26 – Blutverlust: Eine hoffnungslos dystopische und bedrückende Geschichte. Die Gesellschaft hat sich quasi aufgeteilt in die Gruppe von Menschen die einen natürlichen oder friedlichen Tod sterben und denen, die gewaltsam und unnatürlich zu Tode kommen. Letztere werden in Ghettos abgeschoben und gemieden. Menschen, die z.B. durch einen Flugzeugabsturz umkommen, werden „gesammelt“, in ein Flugzeug gesetzt das dann kontrolliert zum Absturz gebracht wird. Zum einen um das Schicksal der Unglücklichen zu erfüllen und zum anderen um so zu verhindern das nicht erwünschte Kollateralschäden auftreten.

Nr. 28 – Bei einem Versuch jemanden zu retten: Tragische Geschichte um zwei Liebende. Die Frau wird bei einem Brand sterben, der Mann bei dem Versuch jemandem das Leben zu retten. Als er eines Abend nach Hause kommt, steht das Haus in Flammen, seine Geliebte darin. Obwohl er weiß das ihr nicht mehr zu helfen ist, muss er nicht nur sein Schicksal erfüllen, sondern das tun was seine Liebe zu ihr ihm sagt. Ein sehr bewegendes Ende.

Nach der Lektüre stellt man sich natürlich zwangläufig selbst die Frage wie man sich entscheiden würde, gäbe es solch eine Machine of death tatsächlich. Möchte man seine eigene Todesursache erfahren oder lieber nicht? Es wäre so einfach: Finger in die Maschine stecken, ein kleiner Piekser und ein paar Sekunden später wird ein Zettelchen ausgespuckt auf dem man sein eigenes unabwendbares Schicksal schwarz auf weiß nachlesen kann. Würde uns das glücklicher machen? Wäre es ein Fluch oder ein Segen, oder würden auch wir zu dem Schluss kommen:
„Was für einen Sinn ergibt es, über die Zukunft Bescheid zu wissen, wenn man mit diesem Wissen nichts anfangen kann?“
 
 
 


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