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Richard Kadrey

Sandman Slim
Höllendämmerung

  • Autor:Richard Kadrey
  • Titel: Höllendämmerung
  • Serie:Sandman Slim
  • Genre:Horror
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Rowohlt Polaris
  • Datum:01 Juli 2011
  • Preis:EUR 14,95 EUR

 
»Höllendämmerung« (Sandman Slim) von Richard Kadrey


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Der 19-jährige Stark ist ein begabter Magier und Mitglied im eher privat ausgerichteten Magischen Zirkel. Nachdem er von seinen Mitmagiern verraten und im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle geschickt wurde, macht er dort Karriere als Arenakämpfer und Untertan des Höllengenerals Azazel. Als er erfahren muss das seine Freundin Alice ebenfalls vom Magischen Zirkel umgebracht wurde, sinnt er auf Rache. Er sucht fortan einen Weg um wieder aus der Hölle in die Welt der Lebenden zu gelangen. Nach 11 Jahren hat er diesen Weg gefunden und taucht im heutigen Los Angeles wieder auf. Er nimmt Kontakt mit seinen ehemaligen Freunden auf und versucht den Aufenthaltsort der Mitglieder des Magischen Zirkels herauszufinden. Durch sein loses Mundwerk und seine Gabe allen, aber auch wirklich allen, auf die Füße zu treten, gerät er von einer brenzligen Situation in die andere. Es stellt sich heraus, dass sein großer Gegenspieler Mason mittlerweile nicht nur der mächtigste Magier der Stadt geworden ist, sondern auch noch einen perfiden Plan verfolgt der ihn, mit Hilfe dämonischer Wesen, zum Herrscher über die Erde, der Hölle und des Himmels machen soll.

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Wer sich schon mal gefragt hat wie es wohl aussehen könnte wenn Harry Dresden auf Dirty Harry Callahan trifft, der muss nur zum vorliegenden Buch greifen. Denn Stark, weist alle Wesenszüge und Eigenschaften beider bekannter Charaktere auf. Genau wie Harry Dresden, aus der Feder von Jim Butcher, ist Stark ein begabter Magier, hat ein loses Mundwerk und immer einen coolen Spruch auf den Lippen. Gepaart wird das ganze mit der Kompromisslosigkeit und der unnachgiebigen Härte, des von Clint Eastwood zu bravourös gespielten Cops, Dirty Harry Callahan. Denn wer einmal auf der Abschussliste von Stark steht, der hat Probleme dort wieder lebend herunterzukommen. Wie ein Bulldozer bahnt sich Stark seinen Weg durch L.A. und lässt Rauch, Trümmer und jede Menge verärgerter Nazis, Dämonen und Engel zurück.

Auch wenn sich das jetzt richtig gut liest, eines ist das Buch mit Sicherheit leider nicht: spannend. Da weder der Autor Richard Kadrey, noch Stark selbst, die Situationen sonderlich ernst nehmen, kommt auch für mich als Leser nicht wirklich Spannung auf. Die flapsigen Sprüche von Stark tragen einfach nicht dazu bei, er empfindet keine Furcht angesichts der vielen unheimlichen Wesen die ihm nach dem Leben trachten. Die betreffenden Situationen werden daher auch nicht in einer Art und Weise geschrieben die den Leser in seinen fesselnden Bann schlagen, sondern eher in einer Art Nonstop-Action mit Situationskomik, und dabei bleibt der spannende und unheimliche Moment, den man bei so einer Art Geschichte erwartet, auf der Strecke. Wenn der Autor das so wollte (davon gehe ich mal aus) ist es OK. Ich persönlich finde das jedoch etwas schade, denn die Story hätte durchaus das Zeug gehabt ein spannungsgeladener Pageturner zu werden. So bleibt sie unter ihren Möglichkeiten und nur eine Aneinanderreihung von teils coolen, teils witzigen, Sprüchen. Allerdings liefert sie die wirklich meisterhaft, denn Stark ist in der Tat eine coole Sau.

Egal ob Nazis, Yuppies, Engel des Wächterordens, Dämonen, seine eigenen Freunde oder die Heimatschutzbehörde, Stark pinkelt wirklich allen ans Bein und muss sich dabei noch nicht einmal besonders anstrengen. Frei nach dem Motto –Ich bevorzuge niemanden, hier wird jeder gleich mies behandelt- vergrault er einen nach dem anderen. Der Egomane ist der Star in seiner eigenen One-Man-Show. Aber der Autor hat mehr zu bieten als nur den Egomanen Stark. Ein paar sehr schöne Einfälle sind im Buch zu finden. Etwa den Schlüssel den Stark in sich trägt und mit dessen Hilfe er jeden Ort im Universum erreichen kann. Immer dann wenn er in einen Schatten tritt gelangt er, wenn er es will, in den Raum der dreizehn Türen. Von dort kann er gehen wohin er will – ins Kino, nach San Francisco, auf den Mond, in die Hölle oder in den Himmel. Nur eine Tür, hat er noch nicht ausprobiert. Ein weiteres Hilfsmittel ist das schwarze Messer des Höllengenerals Azazel. Mit dessen Hilfe kann er Autos kurzschließen, Menschen köpfen ohne sie zu töten und dergleichen mehr. Beides, Messer und Schlüssel, kommen ausgiebig zum Einsatz. Auch der Wächterorden der Engel, welcher eng mit einer Art himmlischer Heimatschutzbehörde zusammenarbeitet und das Urfeuer Mithras, sind einige nette Einfälle und deuten das Potenzial an das die Geschichte in sich birgt. Die größte Überraschung jedoch ist die wahre Identität von Stark, die dieser selbst nicht ahnt. Erst der Arzt Kinski, ein verlässlicher Freund, offenbart Stark wer seine Eltern waren und was das aus ihm selber macht. Wobei die wahre Identität von Kinski selbst schon der Hammer ist.

Einen Teil der Situationskomik macht die Tatsache aus das Stark, in den 11 Jahren seines höllischen Aufenthalts, einen nicht unerheblichen Teil der technischen Entwicklung schlichtweg verpasst hat. Seine Probleme mit Handys und dem Internet ziehen sich so durch das Buch. Wie gut das ihm seine unfreiwillige Assistentin Allegra hilfreich zur Seite stehen kann. Auch der persönliche Besuch Luzifers in der Videothek von Stark, wo sich der Höllenfürst neben einem Plausch mit Stark unter anderem solche Filme wie Die Braut des Satans oder Zombies ausleihen möchte, ist recht lustig geschrieben. Ein immer wiederkehrender running gag ist der hohe Kleiderverschleiß von Stark, welcher bei den vielen Zwischenfällen von ihm nicht verwunderlich ist.

Das Buch selber ist, schon aufgrund seiner lockeren und witzigen Schreibweise, sehr gut und flüssig zu lesen. Zwar relativ unspannend, aber äußerst kurzweilig. Man will immer wissen wie es weitergeht, in welchen Schlamassel Stark als nächstes gerät. Das Potenzial der Geschichte ist so groß und so gut, dass es einfach schade wäre es nur auf ein Buch zu beschränken. Höllendämmerung schreit geradezu nach einer Fortsetzung und Richard Kadrey hat sie eigentlich schon angedeutet, denn Stark erklärt sich am Ende bereit, als freier Mitarbeiter im Wächterorden und der Heimatschutzbehörde zu arbeiten. Auch die anderen Charaktere der Geschichte, der unsterbliche Vidocq, der Arzt Kinski und seine blutsaugende Sprechstundenhilfe Candy, US Marshal Wells und der Engel Aelita versprechen einfach zu viel gute Unterhaltung um sie ungenutzt liegen zu lassen. Alles in allem ein empfehlens- und lesenswertes Buch.
 
 
 


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