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Peter F. Hamilton

Der unsichtbare Killer

  • Autor:Peter F. Hamilton
  • Titel: Der unsichtbare Killer
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Bastei Lübbe (Bastei Verlag)
  • Datum:20 September 2013
  • Preis:15,00 EUR

 
»Der unsichtbare Killer« von Peter F. Hamilton


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3)

 
 
Jahr 2121: Auf dem Planeten St. Libra wird der einflussreiche Geschäftsmann Bartram North mit seinem kompletten Anhang auf schreckliche Weise ermordet. Der vermeintliche Täter ist in der einzig Überlebenden Angela Tramelo schnell gefunden – obwohl diese immer wieder behauptet, dass ein Alien für die Tat verantwortlich sei. Ihr Urteil lautet Lebenslänglich. Da Angela gentechnisch modifiziert wurde und eine sogenannte 1:10 ist, also in zehn Jahren nur um ein biologisches Jahr altert, ist das Urteil für sie umso vernichtender.

Jahr 2143: In Newcastle wird Detective Sidney Hurst mit der Aufklärung eines Mordfalles beauftragt. Das Opfer ist erneut ein Mitglied der Familie North. Es wurde auf die gleiche schreckliche Art und Weise getötet, wie einst Bartram North. Da die damalige vermeintliche Mörderin jedoch immer noch im Gefängnis sitzt, kommen erste Zweifel an ihrer Täterschaft auf. War ihr Hinweis, Bartram sei von einem Alien getötet worden, vielleicht doch keine Schutzbehauptung, sondern schlichtweg Realität?

Die Ermittlungen werden daraufhin ausgeweitet. Während Hurst und sein Team in Newcastle den Tathergang zu rekonstruieren versuchen und sich dabei auf einen menschlichen Mörder konzentrieren, der aus rein menschlichen Motiven die Tat begangen hat, versucht gleichzeitig ein militärisches Einsatzkommando auf St. Libra, den von Angela Tramelo benannten Außerirdischen, von dessen Existenz man nun überzeugt ist, zu finden. Da man mittlerweile von Angelas Unschuld überzeugt ist, wird sie freigelassen und darf als Beraterin an dem Einsatz teilnehmen.

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Wie so oft, wartet Peter Hamilton in seinem neuesten Werk Der unsichtbare Killer (OT: The great North Road) zwar wieder mit einem tollen Weltenentwurf auf, schafft es gleichzeitig aber auch durch langatmige und ausufernde Beschreibungen mir als Leser teilweise auch den letzten Rest an Lesefreude noch zu nehmen. Die Erzählung der akribischen Kleinarbeit die Hurst und sein Team erledigen müssen um in dem Mordfall voranzukommen, ist unendlich ermüdend. Ebenso wie die ellenlange Liste von Mitarbeitern auf die Hurst zurückgreifen kann. Ein Schritt vor, zwei zurück, dazwischen seine Suche nach einem neuen Haus für sich und seine Familie. Das ist nicht wirklich spannend, ganz besonders dann nicht, wenn es sich über rund 1100 Seiten zieht und dann irgendwie noch nicht einmal zielführend ist und etwas bringt.

Interessant wird es für mich immer dann, wenn Hamilton sein zukünftiges Universum beschreibt. Er gibt seinem Universum einen Hintergrund, eine Legende mit. Tore zu anderen Planeten, die genetische und technische Aufrüstung der Menschen oder dem Smartdust – kleinen Partikeln, die überall in der Stadt verstreut sind und als eine Art mechanisches Gedächtnis, bzw. Kamera fungieren. Zapft man diese Partikel vor Ort an, kann man noch Wochen später die von ihnen aufgenommen Daten rekonstruieren und in einer virtuellen Umgebung eine 1:1 Simulation erschaffen und wie in einem Film die damaligen Geschehnisse ablaufen lassen. Mit Hilfe dieser Technik erhoffen sich Hurst und seine Leute, den Mordfall zu klären.

Vieles ist jedoch nicht neu. Die außerirdischen Zanth, die größte Bedrohung der sich die Menschheit gegenübersieht, erinnert zu sehr an die Chaga Romane eines Ian McDonald. Genau wie das Chaga, sind auch die Zanth eher eine formlose Masse, welche die eroberte Welt überzieht und komplett neu strukturiert. Nur, bei McDonald liest sich das wesentlich interessanter und kurzweiliger. Auch der zweite Handlungsstrang der Geschichte, die Suche nach dem Alien auf St. Libra, ist zu offensichtlich abgekupfert. Eine Frau, einstmals die einzige Überlebende einer Gruppe, wird als Beraterin auf eine militärische Mission mitgeschickt, um auf einem Planeten einen Außerirdischen zu suchen. Was in Alien allerdings erheblich spannender geschildert wurde, bekommt bei Hamilton einen faden und eher unspektakulären Beigeschmack.

Das Ende, die Auflösung der Geschichte, ist beileibe kein Geniestreich oder etwas, das mich für mein Durchhaltevermögen wirklich belohnt hätte. Es bleiben zwar keine Fragen offen, aber das Ergebnis ist irgendwie zu banal und zu konstruiert. Auch die Idee einer Klonfamilie North ist für mich kein großer Wurf. Zwar ein netter Einfall, so bleibt zumindest das Rätsel um den Toten für lange Zeit ungelöst, aber der gute Kane North hätte vielleicht doch besser daran getan, ein Kind zu adoptieren, anstatt sich selbst immer und immer wieder neu zu klonen.

Die Schreibe von Hamilton ist so, wie man sie von ihm kennt. Zwar sehr gefällig, aber in der Detailliertheit zu ausufernd. Seine Liste an Protagonisten ist mal wieder viel zu lang. Die wenigen, auf die er sich konzentriert (Angela Tramelo, Sidney Hurst, Vance Elston oder Antrinell Viana) sind dafür glücklicherweise durchaus glaubwürdig und nicht zu überzeichnet. Der Rest taucht mal hier und dort auf, macht irgendetwas und verschwindet dann wieder im Schwarzen Loch der Bedeutungslosigkeit.

Fazit:
Was man über einen großen Teil der Werke Hamiltons sagen kann, trifft auch hier für mich zu. Das Buch ist einfach zu lang um wirklich gut zu sein. Die Handlung ist inhaltlich einfach zu dünn um über 1100 Seiten tragen zu können. Allerdings muss man es dem Bastei Verlag meine Erachtens hoch anrechnen, dass er keinen Zwei-, Drei- oder sogar Vierteiler daraus gemacht hat.
 
 
 


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