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Paolo Bacigalupi

Schiffsdiebe

  • Autor:Paolo Bacigalupi
  • Titel: Schiffsdiebe
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:05 März 2012
  • Preis:11,95 EUR

 
»Schiffsdiebe« von Paolo Bacigalupi


Besprochen von:
 
pelaphina
Deine Wertung:
(4)

 
 
„Schiffsdiebe“ ist ein weiterer Jugendroman und Beginn einer Trilogie von Paolo Bacigalupi, der auch den prämierten Roman „The Windup Girl“, zu deutsch „Biokrieg“ veröffentlicht hat. Teil 2, „The Drowned Cities'“, ist bereits im Mai 2012 erschienen.

Inhalt
Amerika, eine Zukunftsvision: Nailer ist ein Schiffbrecher, das heißt er kriecht durch die Überreste von Schiffwracks, um wiederverwertbare Rohstoffe ausfindig zu machen, damit diese von den Kolonnen bearbeitet und verkauft werden können. Seine alte Gasmaske schützt ihn kaum vor den giftigen Gasen, und es warten bereits andere darauf, seinen Job zu übernehmen. Alle arbeiten hart, die Quote zu erfüllen, denn es gibt keine Alternative für sie. Nailer hat Glück, dass er klein für sein Alter ist, aber wenn er nicht aufpasst, könnte es ihm wie dem bedauernswerten Jungen ergehen, der, unauffindbar, im Schiff verdursten musste. Genauso wahrscheinlich ist wohl, dass sein drogensüchtiger, aggressiver Vater ihn im Suff irgendwann totschlägt. Nailer weiß nicht einmal, wie alt er ist, er lebt wie viele in Armut und Lebensgefahr in einer der kleinen Hütten, die von den ständigen Hurrikans einfach weggefegt werden. Der Strand ist ein Sammelbecken für unterschiedlichste Kulturen, und wo man ohne Familie und Kolonne verloren ist, denn man ist verdammt, Bettler, Opfer des Organhandels oder der Prostitution zu werden.
In der Tat, das Leben am Strand der Golfküste ist die Hölle. Nailer hat niemanden außer seiner Freundin Pima und dessen Mutter, und wie alle hofft er, dass die Parzen ihm gnädig sein werden, dass er in einem rostigen Schiff Öl finden wird und sich freikaufen kann.

Nach einem heftigen Sturm finden er und Pima als erste ein verunglücktes Segelschiff, eine Goldgrube, gefüllt mit Luxusgütern aller Art, die sie natürlich bergen wollen, bevor die anderen davon erfahren. Den goldenen Ringe und Edelsteine an dem jungen hübschen Mädchen, welches sie im Innern des Schiffes entdecken, können die beiden Freunde kaum widerstehen. Doch das Mädchen ist nicht tot, und noch dazu Tochter eines führenden Unternehmens. Nailer sieht sich vor die Wahl gestellt, es zu töten und mit dem Schmuck der Armut zu entkommen, oder es zu retten und damit seine Menschlichkeit aufzugeben. Da er selbst beinahe an der Gier einer seiner Mitarbeiter gestorben wäre, bringt er es nicht über sich, sie kaltblütig zu ermorden. Doch die Entscheidung hat weitreichende Folgen, die er niemals geahnt hätte.

Meinung
Die Dystopie, die Bacigalupi geschaffen hat, ist wirklich trostlos und gleichzeitig glaubhaft. Die gewaltige Kluft zwischen Reich und Arm, Klimawandel und Kampf um Rohstoffe, Großkonzerne, die Menschen ausbeuten sind akute Probleme unserer Zeit. Der Autor schreckt auch vor brutalen Szenen nicht zurück – für Jugendliche eigentlich weniger geeignet. Besonders die Welt der Ausgebeuteten ist plastisch beschrieben. Man fühlt sich sofort mit Nailer in das dunkle, dreckige Schiff versetzt, man kann seine Sorgen und Verzweiflung mitfühlen.
Bacigalupi beschreibt sehr eindringlich und seine Szenen haben Atmosphäre. Die Sprache ist wie für ein Jugendbuch angemessen einfach, die Sätze sind kurz gehalten. Die Figuren sind nicht allzu vielschichtig, aber sie sind auch nicht zu simpel und schwarz-weiß. Wenn politische Hintergründe vorkommen, werden sie immer kurz und relativ simpel erklärt. An diesen Stellen ist mir wirklich aufgefallen, dass der Roman für Jugendliche geschrieben ist. Ich hätte mir dann doch ein wenig mehr Komplexität, mehr Hintergrundinformationen gewünscht.
Die Abenteuer, die Nailer erlebt, sind fesselnd, besonders nach dem ersten Drittel. Allzu schnell hat man die letzte Seite umgeblättert und möchte wissen, wie es nun mit dem pfiffigen Jungen weitergeht. Die Geschichte des Halbmenschen Tool scheint eine besondere zu sein, in Bezug auf seine Vergangenheit werden allerdings bloß Andeutungen gemacht. Auch die Welt der Reichen und Sorglosen aus der Nähe zu sehen, hätte mich gereizt. Ich hoffe dass die folgenden Teile darauf näher eingehen werden.

Fazit
Der Roman ist über weite Strecken fesselnd und zeigt Menschen in moralischen Konflikten, im Kampf ums Überleben, dabei den Schicksalsgöttinnen auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Bacigalupi hat eine beeindruckende düstere Welt geschaffen, die ich gerne weiter erforschen möchte.
 
 
 


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