•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Neil Gaiman

Niemalsland

  • Autor:Neil Gaiman
  • Titel: Niemalsland
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:01 August 1998
  • Preis:EUR 8,95 EUR

 
»Niemalsland« von Neil Gaiman


Besprochen von:
 
pelaphina
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
„Niemalsland“ spielt größtenteils in „Unter-London“, einer Welt bevölkert von Rattensprechern, gefährlichen Kreaturen, Engeln und unbeschreiblichen Wesen. Richard, durchschnittlicher Geschäftsmann mit einer unerträglichen Verlobten, stolpert unversehens in diese verrückte Welt, als er ein verletztes Mädchen vom Bürgersteig aufsammelt und so vor zwei gewissenlosen, durch die Zeit gereisten Serienmördern rettet. Plötzlich wird er für seine Umwelt unsichtbar und hat keine andere Wahl, als sich dem Mädchen Door anzuschließen, das jede Tür öffnen kann und das sich auf die Suche nach Antworten begibt. Denn die unheimlichen Verfolger Mr. Croup und Mr. Vandermar haben ihre Familie getötet, aber wer hat ihnen den Auftrag gegeben? Die Leibwächterin Hunter und der Marquis de Carabas helfen ihr bei ihrer Suche.

Meinung
Dieser Roman war wirklich düster! Geisterbahnhöfe, Katakomben, Menschen, die mit Ratten zusammenleben und sich irgendwie durchs Leben schlagen... Die Mischung von unterirdischem London mit Fantasy-Elementen halte ich für sehr gelungen. Seine Welt ist voller tödlicher Gefahren und interessanter Wesen, das Potential scheint endlos. Gaimann hat eine spannende Geschichte geschrieben – vor allem die letzten hundert Seiten konnte ich mich nicht mehr von diesem Buch lösen, auch als Mitternacht lange vorüber war. Gaimann schreibt flüssig und in einem angenehmen Stil.
Der Humor ist mir hier positiv aufgefallen, ein Exempel:
„Na, na“, sagte der Marquis de Carabas verlegen und tätschelte ihre Schulter. Und dann fügte er lieber noch ein „Na“ hinzu. Er war kein guter Tröster.
Die größte Schwachstelle des Romans: Leider sind die Charakter allesamt blass geblieben. Richard als Hauptfigur ist einfach völlig durchschnittlich und hat als Comedy-Effekt so ziemlich jede vorstellbare Phobie und sein völliger Mangel an Heldenhaftigkeit macht seine ständige Rettung erforderlich, aber andere Seiten von ihm wurden praktisch gar nicht erwähnt, noch dazu fragt man sich, wozu er überhaupt in der Geschichte ist, da er außer Komik wenig beiträgt. Bei den meisten Figuren wäre so viel mehr möglich gewesen, sie haben kaum Plastizität oder so etwas wie eine Vergangenheit. Die Bösewichte sind einfach nur böse. Gaimann macht sich einen Spaß daraus, ihre Verbrechen mit einer nüchternen Distanziertheit zu schildern, die im völligen Gegensatz zu ihrer Grausamkeit steht. Sie sind explizit genug, dass ich das Buch keinem Jugendlichen in die Hände drücken würde.
Die Geschichte war letzten Endes nicht allzu komplex dafür, dass so viele Figuren und Orte vorkamen. Dazu hätte ich mir doch die Auflösung zweier großer Fragezeichen gewünscht (Achtung, kleiner Spoiler): Warum träumt Richard von dem Ungeheuer? Und: Warum konnte er Door überhaupt sehen? Dass solche offensichtlichen Merkwürdigkeiten nicht erklärt wurden, hat mich schon enttäuscht.
Vermutlich liegt es an den Figuren, dass ich auch den Schluss nicht so recht nachvollziehen konnte. Ich kann Richards positiven Gefühle für Unter-London nicht teilen, da es mir mit seinen schattenhaften Bewohnern nie so richtig ans Herz gewachsen ist.

Fazit
Neil Gaimans Roman ist atmosphärisch, spannend und humorvoll, jedoch gibt es Abzüge wegen farblosen Figuren, ungeklärten Fragen und viel ungenutztem Potential.
 
 
 


Mehr Rezensionen von pelaphina