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Nadine Kühnemann

Fyn - Erben des Lichts

  • Autor:Nadine Kühnemann
  • Titel: Fyn - Erben des Lichts
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Ebook
  • Verlag:bookshouse
  • Datum:04 September 2013
  • Preis:5,99 EUR

 
»Fyn - Erben des Lichts« von Nadine Kühnemann


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(4)

 
 
Fynrizz wächst als Findelkind im Perlenturm heran. Sein Ziehvater Breanor hat sich seiner angenommen; allerdings nicht mit dem Ziel, einen Sohn groß zu ziehen, sondern vielmehr einen würdigen Nachfolger für sich mit großem technischen Verständnis. Doch Fyn umgibt etwas Düsteres: Er hat die Gabe, Tote auferstehen zu lassen, seine Herkunft ist und bleibt ein Mysterium, sein Alter Ego Norrizz ist nur für ihn sichtbar und Jähzorn scheint sein stärkster Charakterzug zu sein. Nach seiner Ausbildung erhält er einen Platz in der Weißen Liga, wie es für ihn vorherbestimmt war. Fynrizz ist alles andere als glücklich. Als ihm dann auch noch ein Mord zur Last gelegt wird, bleibt ihm nur die Flucht.

Das Cover ist ungewöhnlich und dadurch ein absoluter Blickfang. Es zeigt einen jungen Mann von der Seite. Er trägt eine Militärmütze tief in sein Gesicht gezogen, der Oberkörper ist nackt, eine ungewöhnlich geschnittene Hose ist zu erahnen. Es ist sehr düster, pink farbene Schnörkel und der Titel des Buches helles zwar etwas auf, verdeutlichen allerdings damit auch die Dunkelheit. Ich finde es gut gewählt zum Inhalt des Buches, da es die dem Buch zu eigenen Technik wiederspiegelt und seine Einzigartigkeit unterstreicht.

Nadine Kühnemann hat ein ungewöhnliches und spannendes Werk geschaffen. Sie konnte mich von der ersten Seite an für Fynrizz und seine Leben begeistern. Gerne ließ ich mich von ihr in eine völlig andere Welt hineinziehen und genoss atemlos die Entwicklungen. Die Mischung zwischen politischem Geschehen, Fyns Entwicklung und der allgemeinen Geschichte, war wunderbar ausbalanciert und wurde zu einer magischen Einheit. Spannend und voller Elan schildert Kühnemann das Leben Calaniens und ihrer Einwohner. Zum Teil sind es Menschen, zum anderen, allerdings wesentlich kleinerem Teil Alven. Die Alven beherrschen die Menschen, auch wenn die zahlenmäßig weit unterlegen sind. Ihr technischer Fortschritt und vor allem ihre magischen Fähigkeiten machen sie schier unangreifbar. Aber eben nur fast.
Besonders gut haben mir die absoluten Gegensätze gefallen. Schon in der Leseprobe rätselte ich, wann das Buch spielen könnte: Mittelalter, Neuzeit, früher, später. Doch im Laufe der Geschichte wurde ich nicht schlauer und sah mich gezwungen, mich einfach treiben zu lassen und nicht zu viele eigene Gedanken einzubringen. Auf der einen Seite scheint das Leben wie im Mittelalter zu sein; ein herrschsüchtiger König, der sein Volk mit Abgaben malträtiert, Folter und Verrat stehen an der Tagesordnung. Auf der anderen Seite gibt es Technoide, also halb Mensch, halb Maschine, ausgefeilte Schusswaffen, auch wenn das Schwert noch bevorzugt wird. Diese Gegensätzlichkeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk von Nadine Kühnemann und ließ mich staunen, aber auch schmunzeln. Die Idee gefiel mir ausgesprochen gut und ich blickte oft atemlos auf die nächste Seite und die Geheimnisse, die sich hinter ihr wohl verbergen mögen.
Calanien ist eine düstere Welt. Tristes Wetter, karger Boden, Dunkelheit und einiges mehr machen Menschen und Alven zu schaffen, auch wenn sie sich mit ihrem Leben arrangiert zu haben scheinen. Die Umgebung passt hervorragend zu den Geschehnissen des Buches; alles wirkt düster aber bei weitem nicht hoffnungslos oder beklemmend.

So widersprüchlich die Welt, so exzentrisch die Charaktere. Allen voran der junge Finnrizz. Seine ausgeprägteste Charaktereigenschaft ist der Jähzorn. Schnell lässt er sich hinreißen und gibt seiner Zerstörungswut nach, auch wenn er dadurch alles eher verschlimmert, als verbessert. Und damit nicht genug, denn er leidet und merkwürdigen Ticks, die ihm ein harmonisches Leben erschweren. Ordnung und Sauberkeit stehen bei ihm an erster Stelle. Wenn es mal nicht so läuft, wie er es sich erhofft, tritt sein Alter Ego Norrizz auf den Plan. Mir fiel es denkbar schwer, Norrizz einzuordnen, denn als dunkler Zwilling kam er nicht in Frage, da Fynrizz nicht gut ist. Aber das Gegenteil trifft auch nicht so recht zu. Auch hier merkt man wieder deutlich, dass die Autorin mit ausgeprägten Gegensätzen arbeitet, was mir gut gefiel. Nach und nach verändert sich die Weltanschauung von Fyn. Zu Beginn ist er eher unbeherrscht und leidet sehr und der Ignoranz und den permanenten Forderungen seines Ziehvaters. Fyn lernt, dass es auch andere Wege als Zerstörungswut gibt. Diese Veränderung beobachtet ich voller Spannung. Ihn umgibt eine Spur Wahnsinn.
An seiner Seite ist der stets treue Technoide Arc. Halb Mensch, halb Maschine, ist Fyn der einzige Herr, den er bedingungslos zu akzeptieren scheint. Arc gefällt mir als Figur mit am Besten, da stets etwas in ihm zu lauern scheint und er für mich nie ganz greif bar war. Allein sein Äußeres als Technoide fand ich bewundernswert. Eigentlich sollte er so keinen Charakter, kein Ich besitzen, aber in ihm schlummert mehr, als man auf den ersten Blick vermutet hätte.
Die anderen Charaktere geistern um Fyn herum. Ihre Handlungen passen sich stets ihm an. Anfangs störte mich dies ein wenig, da sie dadurch wenig Eigenleben zu besitzen scheinen, aber dann empfand ich es nicht mehr als störend. Fyn ist das Licht, um das die Motten kreisen. Die gesamte Handlung geschieht nur seinetwegen.

Mein Fazit
Packend, faszinierend, schillernd und sehr lebendig. Lesenswert!
 
 
 


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