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Mike Shepherd

Kris Longknife: Die Rebellin: Roman


 
»Kris Longknife: Die Rebellin: Roman« von Mike Shepherd


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Kristine Anne Longknife ist ein frisch gebackener Ensign an Bord des Raumschiffs Taifun. Gleich bei ihrem ersten Einsatz muss sie sich an der Seite von gestandenen Marines als Teamführerin beweisen. Es gilt ein entführtes Kind aus den Fängen übler Burschen zu befreien. Mehr durch Zufall entgeht sie dabei dem sicheren Tod durch einen Sprung in ein Minenfeld.

Auch ihre zweite Mission, ein humanitärer Einsatz auf dem von Naturgewalten heimgesuchten Siedlerplaneten Olympia, droht zu einem Fiasko zu werden. Mit Mut, Geschick und der Hilfe ihres Freundes Ensign Tommy Li Chin Lien wird jedoch auch dieser Einsatz gemeistert. Aber auch hier gerät Kris zweimal in Todesgefahr und kann sich nur mit Mühe und Not retten.

Für Kris ist das jedoch alles zu viel des Zufalls und sie fängt an, die Vorgänge zu hinterfragen. Dabei entdeckt sie, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Sie scheint offensichtlich das Opfer einer ausgemachten politischen Intrige zu sein. Der Grund ist einfach: Kris ist nicht nur ein einfacher Ensign, sondern auch die Tochter des amtierenden Regenten von Wardhaven, ihrem Heimatplaneten. Fast alle ihre (Ur-)Omas und (Ur-)Opas sind zudem noch führende Mitglieder auf Wardhaven, Politiker, Militärs oder Industrielle. Somit gibt sie das ideale Ziel für einen politisch motivierten Coup d’État ab. Der Höhepunkt dieses Putschversuches lässt daher auch nicht lange auf sich warten, denn es brodelt ganz gehörig in der von Menschen besiedelten Galaxis. Die Randwelten wollen sich aus dem Bund der Menschheit, genannt Society of Humanity, abspalten, was der Erde aber gar nicht gefällt. Als diese ihre alte, überholte Flotte auf eine diplomatische Mission Richtung Wardhaven schickt, wittern die Verschwörer in der Flotte Wardhavens ihre Chance. Sie wollen im Parissystem einen Hinterhalt legen, um so den Bruch der Randwelten mit der Erde endgültig zu erzwingen. Kris durchschaut den üblen Plan und muss handeln wenn sie einen Krieg zwischen der Menschheit verhindern will.

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Mit Kris Longknife Die Rebellin (Original Mutineer) brandet, so wie es aussieht, eine neue Military Saga epischen Ausmaßes auf uns Leser in Deutschland zu. Das vorliegende Buch ist das erste einer mittlerweile elf Bände umfassenden Saga, drei weitere sind bereits in Bearbeitung. Damit tritt der Autor Mike Shepherd (aka Mike Moscoe) offensichtlich in die Fußstapfen von David Weber, dem mit seiner Endlosreihe Honor Harrington ein ähnliches Werk geglückt ist. Während dem Altmeister Weber jedoch wohl so langsam aber sicher die Ideen ausgehen und sich eine gewissen Müdigkeit bei vielen Lesern eingestellt hat, kommen die Abenteuer der Kris Longknife (noch) relativ erfrischend und beschwingt herüber. Die Handlung besticht zwar nicht unbedingt durch besondere Originalität oder Innovation, ist aber solide geschrieben und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Wer übrigens Interesse an den Abenteuern von Kris' Uropa Ray hat, der sollte sich nach der Reihe Jump Universe umsehen. Allerdings sind die ersten drei Bände wohl out of print, ein vierter jedoch in Vorbereitung.

Das Szenario ist die Galaxis einer fernen Zukunft, in der die Menschheit in der Society of Humanity vereint ist. Aber diese Vereinigung ist brüchig geworden. Die Randwelten, unter ihnen auch Wardhaven, fühlen sich von Mutter Erde gegängelt und streben nach Freiheit und Unabhängigkeit. Das Konfliktpotenzial ist somit gegeben, denn die Erde möchte ihre fernen „Kolonien“ und eifrigen Steuerzahler nicht aufgeben. Der Haß schaukelt sich auf, politische Intrigen werden geschmiedet und Hinterhalte gelegt. Die Familie Longknife, allen voran der Vater von Kris, vertritt dabei einen gemäßigten Kurs. Die Randwelten möchten sich in Föderationen zu zehn oder mehr Planten zusammenschließen und in das Unbekannte reisen, in Galaxien fernab ihrer eigenen. Die Erde und ihre Verbündeten blocken ab. Das letzte Mal als man sich hinauswagte traf man auf eine außerirdische Spezies (bis dato die einzige) und es kam zu einem Krieg. Das möchte man auf jeden Fall vermeiden.

Shepherd zeigt uns an dem krassen Beispiel von Wardhaven und Olympia eine zweigeteilte Menschheit, in der die Kluft zwischen Armut und Reichtum, Privilegierten und einer in Not und Elend dahin vegetierenden Masse, riesig ist und unüberbrückbar erscheint. Der Widerspruch könnte nicht größer sein. Auf der einen Seite die auf dem überschwemmten Olympia lebenden Bewohner, auf der anderen die Oberklasse Wardhavens. Die einen feiern berauschende Feste, die andern kämpfen ums nackte Überleben. Kris wird dabei zum Vermittler zwischen den Welten. Weniger Soldat, als vielmehr Diplomat. Wer also ausschweifende Weltraumschlachten erwartet, ist hier fehl am Platz und darf sich lediglich am Ende kurz damit begnügen.

Kris selber ist eine taffe und mutige Frau. Die Geister ihrer Vergangenheit (ihr Bruder wurde entführt, wofür sie sich die Schuld gibt) verfolgen und beeinflussen sie in ihren Entscheidungen. Für viele ist sie nicht Kris Longknife, sondern einfach nur die Enkelin von Ray und Opa Trouble oder schlichtweg „eine von diesen Longknifes“. Einen eigenen Namen muss sie sich erst noch machen. Aber sie ist auf dem besten Wege dahin. Sie trägt einen Computer namens Nelly bei sich, der regelmäßig von ihrer Tante Tru auf den neuesten Stand gebracht wird. Für meinen Geschmack ist sie etwas zu überspitzt gezeichnet, es gelingt ihr so ziemlich alles – egal ob an Bord der Taifun, auf Olympia oder auf Sequim. Für eine Frau von gerade mal 22 Jahren und ohne Kampferfahrung ist das ein bisschen zu viel des Guten. Dennoch kommt sie recht sympathisch rüber.

Die Raumschiffe Wardhavens bestehen aus sogenanntem Smart Metall, einem Material, dass sich während des Fluges, mit allen Besatzungsmitgliedern an Bord, umformen kann. Sobald man in ein Gefecht zieht, verändert der Kapitän das Aussehen des Schiffes. Er kann es breiter, länger, größer oder kleiner machen. Die Stellen, die zum Beispiel unter konzentriertem gegnerischen Beschuss liegen, werden verdickt und somit besser gepanzert. Vergleichbar ist das mit den Transformern aus der gleichnamigen Kinoreihe von Michael Bay. Allerdings kann es dabei hin und wieder vorkommen, dass man nach solche einer Rekonfiguration seine Sachen oder seine Kabine nicht mehr wiederfindet, da diese sich nach „irgendwo“ im Schiff verschoben hat.

Der Stil des Buches ist nach meinem Dafürhalten recht unmilitärisch gehalten. Shepherd langweilt den Leser nicht mit detaillierten Waffen- oder Gefechtsbeschreibungen. Er konzentriert sich hauptsächlich auf seine Protagonistin und ihre Aktionen – ihre Zusammenarbeit mit Zivil- und Militärpersonal. Im Vordergrund steht daher auch nicht der militärische Konflikt, sondern vielmehr die Suche nach den Hintermännern des politischen Ränkespieles. Für echte Military Fans könnte das eventuell etwas zu wenig sein, vergleicht man diese Serie zum Beispiel mit Honor Harrington von David Weber. Auch wenn ich kein Freund von Vergleichen bin, aber dieser drängt sich geradezu auf, bedenkt man, dass die Reihe von Weber etwas mehr als 10 Jahre älter als die von Shepherd ist. Ähnlichkeiten sind daher, gewollt oder ungewollt, vorhanden.

Fazit:
Gut und flüssig zu lesen, recht spannend und unterhaltsam geschrieben. Auch wenn das Buch der erste Band einer mehrteiligen Reihe ist, so ist doch die Handlung an sich abgeschlossen und kann für sich allein gelesen werden. Als Veröffentlichungstermin für den zweiten Band Unter Quarantäne, ist der 14. Februar 2014 vorgesehen. Um es mit den (leicht abgeänderten) Worten von Humphrey Bogart in dem Film Casablanca zu sagen: „Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Reihe.“
 
 
 


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