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Malcolm McNeill

Der Wald der träumenden Geschichten


 
»Der Wald der träumenden Geschichten« von Malcolm McNeill


Besprochen von:
 
Sachmet
Deine Wertung:
(5)

 
 
Es gab die Welt und es gab den Wald des Anfangs.

Die Welt war eine Welt der Wissenschaft und des Fortschritts, Träume hatten in ihr keinen Platz. Alles, was die Menschen zum Träumen verführen konnte, wurde auf den Index gesetzt. Zuerst waren es die Bücher, dann folgten Gedichte, Filme, Musik, Religion. Einfach alles, was dem Menschen half, der Realität zu entfliehen. Vorstellungskraft und Phantasie waren ein Fluch, außer sie wurden in den Dienst der Wissenschaft gestellt. Es war eine kalte Welt, eine Welt ohne Wärme.

Der Wald des Anfangs war ein Ort der Märchen und Legenden. In ihm lebten Drachen, Hexen und andere magische Wesen. Geschichten wurden aufgeschrieben und immer, wenn ein Wesen eine Geschichte nötig hatte, wurde sie ihm Nachts im Traum erzählt. In dieser Welt gab es keine Wissenschaft und Technik, das Licht erstrahlte im warmen Glanz der Kerzen und erzeugte eine wohlige Wärme.

Ab und zu näherten sich die Welt und der Wald des Anfangs an. Menschen konnten von der Welt in den Wald des Anfangs wechseln, nur mussten sie aufpassen, dass sie nicht von der Wildheit erfasst wurden und für immer dort blieben.

Als Max in der Welt erscheint, beginnt das Verschwinden. Niemand weiß, wie das Erscheinen des kleinen Jungen mit dem Verschwinden der Menschen zusammen hängt und in beiden Welten forscht man fieberhaft nach der Ursache. Man weiß nicht, wohin diese Menschen verschwinden, ob sie sterben oder anderswo weiter leben.

Max berührt das alles nicht besonders. Er lebt in einer Traumwelt und verweigert sich der Realität. Er stößt seine Pflegeeltern von sich und erkennt nicht, dass sie ihn von ganzem Herzen lieben. Er ist ein egoistischer kleiner Junge, der nur an sich und seine Phantasieeltern denkt und der sich der Realität verweigert. Er als seine Adoptiveltern ebenfalls verschwinden und der dunkle Mann sich seiner annimmt, erfährt Max etwas von dem Wald des Anfangs. Das dieser nicht nur eine Legende ist sondern tatsächlich existiert. Und das man ihn besuchen kann.

Max überschreitet die Grenze und findet sich in einer unglaublichen Welt wieder. Er trifft Martha, den Geist eines verstorbenen kleinen Mädchens. Sie wird seine Freundin und Vertraute und hilft ihm bei der schweren Aufgabe, das Geheimnis um das Verschwinden der Menschen zu lösen und den Wald des Anfangs vor dem Untergang und Vergessen zu bewahren.

Dabei lernt Max, dass das Leben nicht nur aus Träumen besteht sondern das man sich der Realität stellen muss, um zu erkennen, dass man geliebt wird. Und das es nicht wichtig ist, wer einen liebt, sondern das man geliebt wird.

Kommentar:
Das Buch ist optisch wunderbar gestaltet. Ich habe selten ein so schönes und ansprechendes Buch in einer so guten Qualität in der Hand gehalten. Heute hat man als Leser ja eher das Gefühl, die Verlage sparen, wo sie nur können. Hier jedoch nicht. Es handelt sich um ein stabiles Hardcover, dass auch Kinderhänden stand halten kann. Die Bilder auf dem Cover und im Inneren des Buches vermitteln einen ersten Eindruck davon, was den Leser erwartet.

Eine märchenhafte und traumhaft schöne Geschichte über einen kleinen Jungen, der sich nichts mehr wünscht als seine wahrhaftigen Eltern zu finden. Dabei übersieht er, dass er liebevolle Adoptiveltern hat, die sich bemühen, ihm ein schönes und sorgenfreies Leben zu bieten. Er stößt sie von sich und verliert sich ganz in seiner Traumwelt. Als er diese Traumwelt betritt stellt sich heraus, dass es auch dort Probleme gibt und nicht alles nur gut ist.

Martha wird das lebendige Gewissen von Max. Sie deckt seine Fehler und seinen Egoismus auf und öffnet ihm die Augen, wie sehr sein abwesendes Verhalten andere Menschen schmerzt und verletzt. Max ist ein Protagonist mit vielen Fehlern, was ihn umso glaubwürdiger macht. Er ist kein strahlender Superheld, der alle Probleme mit einem Fingerschnippen löst. Er ist einsam, ein Tagträumer, der mit der Realität nicht zurechtkommt. Ein Kind, dass sich eine Traumwelt bastelt um dem wirklichen Leben zu entfliehen. Haben wir das nicht auch schon oft gemacht?

Fazit:
Endlich wieder ein märchenhaftes und spannendes Kinderbuch, dass den Leser in eine traumhafte Welt voller Abenteuer entführt. Max erinnert an Bastian , Kim und Enders, wer sie geliebt hat wird auch Max in sein Herz schließen. Ein Kinderbuch, dass die Herzen der Erwachsenen ebenso berührt, wie das der Kinder.
 
 
 


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