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Kim Stanley Robinson

Roter Mars: Die Mars-Trilogie

  • Autor:Kim Stanley Robinson
  • Titel: Roter Mars: Die Mars-Trilogie
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:12 Oktober 2015
  • Preis:14,99 EUR

 
»Roter Mars: Die Mars-Trilogie« von Kim Stanley Robinson


Besprochen von:
 
Korlat
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Der Roman beginnt mit der Feier zum Ende der Bauarbeiten der Marsstadt Nicosia. 5.000 Menschen sollen hier unter einer Kuppel leben. Auch einige der Ersten Hundert sind da, so wie John Boone, der in der Festnacht Opfer eines Mordanschlages wird.
In mehreren zeitlichen Intervallen erfahren wir dann die ganze Geschichte der ersten Jahrzehnte Besiedlungsgeschichte. Der Flug findet im Jahr 2026 statt. Man hatte sich große Mühe gegeben, unter den gegebenen politischen Kräfteverhältnissen eine Gruppe von Menschen auszusuchen, die sich vertrug. Aber bereits die ersten Wochen auf dem Mars zeigen, dass die 100 Menschen sehr verschiedene Ziele haben. Zwei fundamental entgegengesetzte Ansichten prallen aufeinander – Terraforming des Mars oder weitgehendes Belassen des ursprünglichen Zustandes.

In den nächsten Jahren werden viele speziell unter Mars-Bedingungen lebensfähige Organismen geschaffen und ausgesetzt. Sauerstoff und Stickstoff wurden von den Organismen erzeugt und in die Mars-Atmosphäre entlassen. Einige der Ersten Hundert verlassen das Projekt und gründen eine geheime Siedlung.
In den folgenden Jahren kommen viele neue Siedler aus unterschiedlichen Ländern der Erde auf den Mars. Immer mehr wird sichtbar, dass es nicht nur Diskussionen über die weitere Entwicklung auf dem Mars gibt, sondern dass einige Gruppen ihre Ansichten mit Gewalt durchsetzen wollen und Sabotageakte verüben. Ein Prozess wird entwickelt und an den Ersten Hundert getestet, der das Altern deutlich verlangsamen soll. Natürlich wird der Prozess auf der überbevölkerten Erde bekannt und löst dort blutige Unruhen aus.

Auf dem Mars wird der Einfluss irdischer Mega-Konzerne immer deutlicher. Arbeiter sind jetzt auf dem Mars mit zeitlich befristeten Kontrakten, die kein Interesse an einer vernünftigen Entwicklung des Planeten haben. Um die Rohstoffe abzutransportieren, wird ein Aufzug gebaut, der die Immigranten auf den Mars bringt und die Erze auf einen Asteroiden und von dort zur Erde. Eine Rebellion bricht aus, an der auch viele der Ersten Hundert teilnehmen. Das Aufzugkabel wird sabotiert und schlägt auf dem Mars auf. Grundwasservorräte werden vorsätzlich zum Ausbruch gebracht und überfluten die Oberfläche. Eine Wasserlandschaft ist im Entstehen und der Rote Mars wird endgültig aufhören zu existieren. Phobos wird von den Rebellen zum Absturz gebracht. Truppen der Konzerne und UNO-Sicherheitstruppen landen auf dem Mars. Man macht die Ersten Hundert für die Rebellion verantwortlich. Nur wenige von Ihnen können zu den versteckten Siedlungen entkommen.


Kommentar

Kim Stanley Robinson erzählt in diesem Buch von den Anfängen der Besiedelung des Mars. Er beschreibt den Prozess der Auswahl der Ersten Hundert, die Reise, die ersten Jahrzehnte der Besiedelung und das Nachkommen weiterer Siedler. Die Erforschung der Oberfläche und die wissenschaftlichen Leistungen der Ersten Hundert werden auf vielen Seiten ausführlich beschrieben. Noch mehr aber erzählt das Buch von den Menschen auf dem Mars, von der Entwicklung der Gesellschaft, der Einflussnahme irdischer Konzerne und der allmählichen Zunahme der Auseinandersetzungen und der Gewalt.

Es hatte nie einen wirklich durchdachten Plan gegeben, wie eine Marsgesellschaft aussehen sollte. Und im Lauf der Jahre demonstrieren die Konzerne der Erde auch hier ihre Macht. Der Profit, der mit den Mars-Rohstoffen zu erzielen war, steht für sie an oberster Stelle. Die Menschen auf dem Mars laufen unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu, weil ihre Ziele zu sehr auseinanderdriften. Es gibt keine Regierung, die Regeln setzt und keine Polizei, die sie durchsetzen könnte. Selbst die Ersten Hundert konnten sich schon nicht wirklich verständigen über ihre Ziele, sie sprachen aber wenigstens noch miteinander. Später war keine Verständigung mehr möglich. Die neu hinzu Gekommenen trugen zu oft ihre Kultur einfach von der Erde auf den Mars. Beduinen, die in Rovern über den Mars zogen, seien hier als Beispiel genannt. Auch die multinationalen Konzerne waren nicht an Verständigung interessiert und die UNO fraß ihnen aus der Hand.

Wir verfolgen das Geschehen durch die Augen einiger der Ersten Hundert. Das Buch hat mehrere Teile, die jeweils eine zeitliche Periode abdecken. In jeder Periode folgen wir einem dieser Pioniere. Mehrfach werden lange Reisen einiger Protagonisten auf der Oberfläche beschrieben. Zunächst folgen wir Ann, einer Areologin, auf einer Reise über eine noch unberührte Oberfläche, dann begleiten wir John einige Jahre später auf einer Rundreise durch neu entstandene Siedlungen. Hier sind aufkommende Konflikte schon deutlich zu spüren. Schließlich unternimmt Frank eine lange Fahrt kurz vor Rebellion, auf der das Auseinanderbrechen der fragilen sozialen Struktur auf dem Mars deutlich sichtbar wird. Am Ende fliehen wir über viele Tausend Kilometer mit einer kleinen Gruppe der Ersten Hundert vor den UNO-Truppen und denen der Konzerne durch das ausgebrochene Chaos aus Krieg, Stürmen und Überflutungen.

Dieser Roman taugt nicht für SF-Fans, die Action und Aliens erwarten. Man muss bereit sein, sich auf lange Beschreibungen einzulassen. Er hat auch keine wirkliche Hauptperson. Einige der Ersten Hundert spielen zwar mehr oder weniger wichtige Rollen, aber wichtig ist immer nur ihre Beziehung untereinander und zu anderen. Wenn es überhaupt eine Hauptperson gibt, dann ist es der Mars selbst.

Ein wenig Kritik muss dennoch geübt werden. Angehörige unterschiedlicher Völker werden doch manches Mal sehr stereotyp dargestellt – Araber sind Machos, Russen sind fröhliche Trinker, Amerikaner locker und salopp, Schweizer ernsthafte Bürger. Einige Seiten weniger bei der Beschreibung der Marsoberfläche hätten sicher nichts Wesentliches vermissen lassen. Und ein blinder Passagier auf dem Marsschiff, der ab und zu auftaucht und Cojote genannt wird in Anlehnung an die aus den Mytholgien indigener Völker Nordamerikas bekannte Figur - wirklich?

Fazit

Ein gelungener, großartiger Roman, der Lust auf Mehr macht. Er hat keinen Helden, nur Menschen in all ihrer Unvollkommenheit. Er ist lang, aber nicht langweilig. Ich bin gespannt auf die nächsten beiden Teile.
 
 
 


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