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John Scalzi

Redshirts

  • Autor:John Scalzi
  • Titel: Redshirts
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:12 November 2012
  • Preis:13,99 EUR

 
»Redshirts« von John Scalzi


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(5)

 
 
Der Weltraum, unendliche Weiten...
Andrew „Andy“ Dahl wird mit vier anderen Freunden als Fähnrich auf das Flaggschiff der Universalen Union, der INTREPID, versetzt. Schnell bekommen die fünf spitz, dass irgendetwas an Bord des Schiffes nicht so ist wie es sein sollte. Und das liegt nicht unbedingt daran, dass an Bord der INTREPID ein ungemein hoher Verschleiß an Mitgliedern von Außenteams herrscht wenn bestimmte Kommandooffiziere diese Teams anführen. Auch andere Ungereimtheiten machen Andy stutzig. Wie kann es sein, dass er während seiner Einsätze Dinge weiß, die er gar nicht wissen dürfte, das Lt. Kerensky über eine ungemein wundersame Schnellheilung seines Körpers verfügt und wer verdammt noch mal ist Jenkins über den seine vorgesetzten Offiziere reden und der in den Transporttunneln der INTREPID haust und der mit einer ungemein verrückten Erklärung für die seltsamen Vorfälle an Bord aufwartet? Eines steht fest. Wollen Andrew und seine Freunde ihren Dienst auf der INTREPID überleben, müssen sie sich auf eine abenteuerliche, abgedrehte und völlig verrückte Reise durch Raum, Zeit und den Dimensionen begeben.


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Um es gleich vorweg zu sagen: Ich liebe dieses Buch. So unglaublich verrückt die Geschichte auch daher kommt, so genial und doch irgendwie logisch ist sie. Logisch auf eine Art und Weise die man gar nicht beschreiben kann und die man wohl erst begreift wenn man zu viel getrunken hat, vollgekifft oder einfach nur ein SF Fan ist. Es passiert so viel skurriles und phantastisches, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll.

Den Begriff Redshirts kennt wohl jeder der etwas im Star Trek Universum bewandert ist. Es ist die liebevolle Umschreibung für das Wort Opferlamm, oder schlichtweg für –die ärmste Sau in der ganzen Serie-. Gemeint sind jene namenlosen und stummen Statisten denen man ein rotes Hemd anzieht um sie dann völlig sinnlos auf irgendeinem Planeten bei irgendeiner überflüssigen Außenmission zu verheizen. Die Lebensdauer solch eines Statisten beträgt in der Regel die Zeitspanne vom Beginn der Folge bis zur ersten Werbeeinblendung. Selbst ein Schneeball in der Hölle hat eine längere Halbwertszeit als solch ein bedauerlicher Redshirt in Star Trek. Oder um es klassisch mit Julius Caesar zu sagen: Er kam, sah und starb.

Redshirts persifliert die Star Trek Reihe für mich auf eine wunderbar sarkastische und humorvolle Art und Weise. Für Trekkies dürfte es sich jedoch vermutlich wie der blanke Horror lesen, kommen die Drehbuchschreiber der Serie, genauso wie Kirk und Co, doch nicht ohne ordentlich aufs Korn genommen zu werden davon. Es würde mich nicht wundern, wenn die Fans bereits daran arbeiten John Scalzi ein rotes Shirt anzuziehen um ihn auf eine Außenmission zu schicken auf der er dann .... Aber lassen wir das.

Wie oft bin ich beim Schauen der Serie aufgrund der haarsträubenden Ungereimtheiten verzweifelt und habe mich gefragt ob ich denn der einzige bin dem so etwas auffällt. Wie kann es sein, dass es an Bord der Föderationsraumschiffe keine Sicherheitsgurte für die Sitze gibt und die Brückenbesatzung daher bei jedem Gefecht munter durch die Zentrale purzelt und stolpert? Warum überleben alle Hauptdarsteller alles und jedes, während der Rest der Besatzung um sie herum wie die Fliegen sterben? Ungereimtheiten über die der wahre Star Trek Nerd mit zwei lachenden Augen hinwegsieht, die der kritische Fan mit einem lachendem und einem weinenden Auge zur Kenntnis nimmt und die alle anderen mit einem Weinkrampf quittieren. Aber nicht Scalzi. Er legt den Finger in die Wunde und puhlt jede Ungereimtheit, jede Vorhersehbarkeit und jedes Schema-F der Serie hervor. Er bringt das zur Sprache, was jedem kritischen Beobachter der Serie ins Auge fällt. Er ist der Beckmesser und entblößt schamlos jede Schwachstelle - und das sehr zum Vergnügen des Lesers.

Mit all diesen Ungereimtheiten sieht sich auch Andy Dahl, unser Protagonist konfrontiert. Allerdings braucht er die Hilfe von Lt. Jenkins damit ihm das ganze Ausmaß des Problems bewusst wird.

***Spoilerwarnung / Anfang***
Ohne zu viel zu verraten kommen beide zu der Einsicht, dass ihr Leben auf den fiktiven Abenteuern eines gewissen Raumschiffs Enterprise beruht, dass irgendwann die Grundlage für eine weitere SF Fernsehserie, Die Abenteuer der INTREPID, wurde. Dahl, Jenkins und alle anderen, sowie ihr komplettes Universum, existieren nur deshalb, weil irgendein Drehbuchschreiber ihre Figuren erfunden und in die Serie reingeschrieben hat. Sie sind also zum Leben erweckte Charaktere einer frei erfundenen Serie. Am ehesten vielleicht noch mit dem Buch von Daniel F. Galouye Simulacron 3 vergleichbar. Auch hier entdeckt der Protagonist Douglas Hall das er nur eine Computersimulation ist die von einem Programmierer erschaffen wurde. Irgendwie gelingt es Hall ein eigenes Bewusstsein, eine eigene Persönlichkeit, zu entwickeln („Ich denke, also bin ich“) und seine Existenz als solche zu begreifen. Er wird mehr als nur ein Computerprogramm und greift in das reale Leben des Programmierers ein. Genauso ergeht es Dahl und seinen Freunden. Auch sie sind sich ihrer eigenen Existenz bewusst, sind sich bewusst, dass ihr Leben jederzeit enden kann nur weil ein Drehbuchschreiber sie auf einer Außenmission sterben lässt. Für sie kann es daher nur eine Möglichkeit geben den Wahnsinn zu beenden: Mit ihrem „Schöpfer“ in Kontakt zu treten und die Einstellung der Serie zu erreichen.
***Spoilerwarnung / Ende***

Scalzi liefert auch in Redshirts wieder jede Menge liebevoller Charaktere. Auch wenn Andy Dahl die Hauptperson ist, so ist der wahre Held doch Lt. Kerensky. Völlig überspitzt gezeichnet und doch absolut liebenswert, springt er dem Tod mal für mal von der Schippe, überlebt, wortwörtlich, alles und jeden. Denn er kann nicht sterben, er ist eine der Hauptfiguren und somit für die Drehbuchautoren ein Unantastbarer. Im Gegensatz zu den vielen Nebencharakteren, die dann mal eben prompt auf einer Außenmission verheizt werden. Irgendwie können sie einem schon leid tun, diese Redshirts. Da es an Bord der INTREPID allgemein bekannt ist, dass die Außeneinsätze in der Regel tödlich enden, fliehen alle Besatzungsmitglieder vor ihren Führungsoffizieren wenn diese, auf der Suche nach Teammitgliedern für das bevorstehende Kommando, das Schiff durchstreifen. Die, die es dann doch trifft, weil sie nicht gerade eine Inventur gemacht oder Kaffee holen waren, hocken völlig verängstigt an Bord eines Shuttels und harren der Dinge die da noch kommen werden. Auch wenn’s eigentlich traurig ist, so hat man doch als Leser irgendwie seine diabolische Freude daran. Man fragt sich eigentlich nur eines: Wie wird das Ende den armen Fähnrich ereilen. Grandios auch die Szene, in der die INTREPID angegriffen wird und Andy Dahl die, von Lt. Jenkins vorab angekündigte Abfolge von Ereignissen, wie ein Drehbuch ablaufen sieht und so erst von der Richtigkeit der Jenkinsschen Theorie überzeugt wird.

Auffällig bei dem vorliegenden Buch ist der doch recht inflationäre Gebrauch des Wortes –sagte-. Ich weiß nicht, ob nur ich mich daran störe, aber gerade am Anfang ist das mehr als nervig. Sagte hier, sagte dort; er sagte, sie sagte. Das liest sich wie ein Kinderbuch, aber nicht wie ein Scalzi. Glücklicherweise wird es dann im Verlauf der Geschichte besser. Das Buch ist zwar 432 Seiten stark, die eigentliche Geschichte hätte man aber auch durchaus auf rund 200 Seiten drucken können. Grund dafür ist das äußerst große, fast schon riesige, Schriftbild, das man auch bequem noch aus einer Entfernung von mehreren Metern lesen kann. Nun ja. Das Buch endet jedoch nicht mit der eigentlichen Geschichte, sondern enthält als Anhang noch drei Storys über Personen, die, aus Sicht des Buches, in unserer Realität spielen. Scalzi begleitet den Drehbuchautoren Nick Weinstein, der aufgrund der Ereignisse an einer Schreibblockade leidet, die Schauspielerin Samantha Martinez (die in der Story Margaret Jenkins spielt) auf ihrer Suche nach ihrem ganz persönlichen Glück und den Schauspieler Matthew Paulson (den Darsteller von Jasper Hester) der die Frage beantwortet haben will warum er noch lebt. Gerade die Geschichte um Samantha ist wirklich lesenswert und hat mich stark beeindruckt.

Auch wenn Scalzi nicht alles aufgelöst hat und zum Beispiel die Herkunft der Box im unklaren lässt, sowie die Rolle die James „Jimmy“ Hanson nun wirklich gespielt hat, so hat er es doch geschafft, mich mit seinem wundervollen Humor und einer absolut durchgeknallten Story zu begeistern. Ich denke mal, ich werde nicht der einzige sein der in Zukunft so manche Star Trek Folge mit anderen Augen sehen wird. Für Redshirts kann ich wirklich nur eine Leseempfehlung aussprechen.
 
 
 


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