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John Scalzi

Die letzte Einheit

  • Autor:John Scalzi
  • Titel: Die letzte Einheit
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:09 Dezember 2013
  • Preis:9,99 EUR

 
»Die letzte Einheit« von John Scalzi


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Mit Die letzte Einheit (OT: The human division) kehrt John Scalzi wieder in sein „Old Man’s War universe“ zurück. Im Gegensatz zu seinen früheren Werken aus dieser Reihe, handelt es sich bei dem vorliegenden Buch jedoch nicht um einen Roman, sondern vielmehr um eine Kurzgeschichtensammlung, bestehend aus 13 Teilen, plus zwei Zusatzgeschichten. Das es letzten Endes kein durchgängiger Roman geworden ist liegt wohl daran, dass Scalzi bei der Veröffentlichung seines Werkes zwar keinen ganz neuen, dafür aber einen dennoch recht seltenen Weg beschritten hat. Scalzi schrieb innerhalb von 4 Monaten eine Episode nach der anderen und brachte diese dann, jede für sich, als E-Book zum Preis von 99 Cent auf den US-amerikanischen Markt. Erst nachdem diese veröffentlicht waren, folgte das gedruckte Buch.

Im Mittelpunkt (fast) aller Episoden befindet sich das Team von Botschafterin Abumwe, die an Bord des diplomatischen Kurierschiffs Clarke von einem Brennpunkt zum nächsten befördert wird. Ihr zur Seite stehen der technische Berater und Offizier der KVA Lieutenant Harry Wilson, gleichzeitig auch Hauptcharakter des Buches, und dessen Freund Hart Schmidt, Angehöriger des Diplomatischen Korps. Wilson dürfte den meisten Lesern noch aus Krieg der Klone in Erinnerung sein. Allerdings ist die Rolle des KVA Offiziers nicht auf Wilson zugeschnitten, es hätte auch jeder x-beliebige Charakter sein können. Das Scalzi Wilson gewählt hat, liegt wohl daran, dass er eine Person mit Wiedererkennungswert dem Leser präsentieren wollte. Da im Mittelpunkt der Episoden zudem weniger die Verhandlungen an sich stehen, sondern vielmehr das Drumherum, ist eben jener Wilson der dafür wohl am besten geeignete Charakter. Wer also glaubt hier etwas über taktische Raffinessen oder geschickte diplomatische Winkelzüge lesen zu können, wird enttäuscht werden.

Die Kurzgeschichten selber sind nicht unzusammenhängend, sondern erzählen auf ihre Art eine chronologisch fortlaufende Geschichte. Von daher wäre die Bezeichnung Episodenroman vermutlich auch treffender. Das Buch beginnt dort, wo sein nicht unmittelbarer Vorgänger Die letzte Kolonie endete. Nachdem die Menschen der Erde erkennen mussten, dass sie von der Kolonialen Union lediglich ausgebeutet und als billiger Soldatenlieferant missbraucht wurden, kündigen sie ihr Bündnis mit der Kolonialen Union (KU) auf und beschließen fortan eigene Wege zu gehen. Sehr zum Ärger der KU, die sich nun in der unangenehmen Situation wiederfindet, auf keinen Nachschub mehr an Soldaten und Siedlern zurückgreifen zu können. Auch das Konklave, eine Allianz bestehend aus Hunderten von Alienvölkern, rückt der KU auf die Pelle. Es gibt nicht wenige Völker im Konklave die gegen die aggressiv auftretende KU einen härteren Kurs befürworten. In diesen stürmischen Zeiten sind die diplomatischen Einsätze der KU daher umso wichtiger und dringend vonnöten.

Eine dieser Diplomaten ist Miss Abumwe, die sich von ihren zahlreichen B-Missionen zu eine der wichtigsten Friedensstifterinnen im Dienste der KU entwickelt hat. Handfeste Hilfe erfährt sie dabei von Harry Wilson und Hart Schmidt. Das sie beide nicht besonders gut leiden kann, aber dennoch auf sie angewiesen ist, macht die Geschichten umso unterhaltsamer. Auch die Missionen die ihnen anvertraut werden haben es so richtig in sich. Sie gefährlich oder gar skurril zu nennen wäre vermutlich noch untertrieben. Ob sie ihr Raumschiff nun freiwillig in den Kurs einer Rakete steuern um sich abschießen zu lassen, sich von einer fleischfressenden Pflanze verschlingen lassen um einen Hund zu retten, einen Mord an einem Botschafter der Erde aufklären oder sich von einem Außerirdischen windelweich prügeln lassen um den Ausgang einer diplomatischen Verhandlung nicht zu gefährden – sie machen es, kein Opfer ist ihnen zu groß. Das dabei auch, oder trotz allem, der Humor nicht zu kurz kommt, ist bei Scalzi selbstverständlich. Es sind keine herausragenden Episoden obwohl sie handwerklich sehr gelungen sind. Sie machen einfach nur Spaß und sind wirklich sehr kurzweilig.

Geschickt verwebt er in die Abfolge der diplomatischen Missionen Abumwes noch ein paar Einzelabenteuer seiner zahlreich auftretenden weiteren Protagonisten. Eine Geschichte ist Hart Schmidt gewidmet, zwei weitere der außerirdischen Diplomatin Hafte Sorvalh, der Militärangehörigen Heather Lee oder dem Audiotalkshow-Moderator und „Stimme in der Wildnis“ Albert Birnbaum. Scalzi verliert dabei aber nie das „große Ganze“, den roten Faden, aus den Augen. Die Einzelabenteuer reihen sich nahtlos in den Kontext der Gesamtstory ein. Alle zusammen ergeben das Bild einer sich gerade anbahnenden und äußerst beunruhigenden Entwicklung und vervollständigen erst das Puzzle. Das Gesamtbild gibt der KU nicht gerade Anlass zur Hoffnung. So wie es ausschaut, versucht eine unbekannte Macht nicht nur einen Keil zwischen die KU und der Erde zu treiben, sondern auch das Konklave gegen die KU aufzuwiegeln. Geschickt spielt dieser Unbekannte mit seinen Möglichkeiten und scheint einen Krieg zwischen KU, Erde und Konklave heraufbeschwören zu wollen.

Die Episoden sind von gleichbleibender Qualität und lesen sich recht flott und unterhaltsam. Der Scalzi-typische trockene Humor (insbesondere im Hinblick auf die ganz vorzügliche Bonusgeschichte Nr. 2) drückt ihnen zusätzlich ihren Stempel auf. Allerdings sind mir Leute wie Harry Wilson, die in jeder Situation und zu jeder Bemerkung immer die passende Antwort parat haben, ein wenig suspekt. Egal womit er konfrontiert wird, er meistert die Situation. Das ganze erinnert mich frappierend an die Dominic Flandry Abenteuer aus der Feder von Poul Anderson. Auch hier ist Flandry der Held, der immer wieder das Glück auf seiner Seite und einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Auf Dauer wirkt es ermüdend. Von daher hat Scalzi gut daran getan, Wilson nicht in allen Geschichten die Hauptrolle spielen zu lassen.

Fazit
Ein gut und flüssig zu lesendes Buch, mit einigen wirklich tollen und ein paar eher belanglosen Episoden. Obwohl es für mich nicht die Qualität früherer Werk Scalzis erreicht, kann ich es doch jedem interessierten Leser wärmstens empfehlen. Auch wenn die eigentliche Entwicklung der Geschichte noch nicht abgeschlossen ist, dass große Finale quasi noch bevorsteht, bleibt man als Leser nicht unbefriedigt zurück. Da bei Tor Books die E-Book Veröffentlichung als Erfolg gewertet wurde, hat man mit John Scalzi bereits einen Folgevertrag über eine Fortsetzung geschlossen. Wer die erste Bonusgeschichte gerne einmal im Original lesen möchte, kann das hier machen: "After the Coup".
 
 
 


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