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Jeffrey Thomas

Tagebuch aus der Hölle

  • Autor:Jeffrey Thomas
  • Titel: Tagebuch aus der Hölle
  • Serie:
  • Genre:Horror
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Festa
  • Datum:17 August 2011
  • Preis:EUR 13,95 EUR

 
»Tagebuch aus der Hölle« von Jeffrey Thomas


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3)

 
 
Der namenlose Schrifsteller des Tagebuches erwacht nach seinem Selbstmord in der Hölle. Nachdem er seine schulische Ausbildung durchlaufen hat, wandert er ziellos in der Hölle umher. Dabei trifft er die Dämonin Chara, die gefesselt und geschändet an einem Baum zum Sterben zurückgelassen wurde. Er befreit sie und verliebt sich in sie. Danach trennen sich ihre Wege und führen in der Stadt Oblivion wieder zusammen. Auch dort gerät Chara in Bedrängnis und wieder steht ihr der namenlose Schriftsteller bei. Doch diesmal kommt es zu Komplikationen. Da Chara bei dem entstandenden Handgemenge zwei Engel angegriffen hat, soll sie dafür offiziell zur Verantwortung gezogen werden und der namenlose Schriftsteller gegen sie aussagen. Aber Chara wird von ihren Dämonenfreunden, die in der Mehrzahl nicht gut auf die Engel zu sprechen sind, beschützt und es kommt dadurch zu einem Krieg zwischen Engeln und Dämonen. Mittendrin der namenlose Schriftsteller der sich auf die Seite der Dämonen schlägt.

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Auch wenn ich mir persönlich die Hölle ganz anders vorstelle als sie Jeffrey Thomas im vorliegenden Buch schildert, so übt die Geschichte dennoch eine gewisse Faszination aus. Manchmal jedoch frage ich mich schon was diese Hölle von der Hölle groß unterscheidet, die manche Leute im Hier und Jetzt erleben. Man geht zur Schule, wird von Lehrern und Mitschülern getrietzt und arbeitet schließlich in einem Beruf, in dem man den ganzen Tag geistlos nur einen Hebel drücken muss, da man am Fließband arbeitet. Der ganz normale Wahnsinn also.

Die Perversität des Ganzen findet man nicht in den vielen Quälereien und Schrecken die die Verdammten durchleben, sondern vielmehr in der Darstellung des Schöpfers (Gott) und seiner Engel. Als Kind lernt man das Gott gerecht und die Engel hilfreich sind, aber Jeffrey Thomas pervertiert diesen Gedanken und führt ihn ad absurdum. Denn auch die Engel müssen sich ab und an austoben und wo könnten sie das besser als in der Hölle? Und da der Chef in der Hölle nicht Satan ist, den gibt es nämlich gar nicht, sondern der Schöpfer selbst, müssen die Engel noch nicht mal um Erlaubnis fragen. So ertragen und erleiden die Verdammten nicht nur die Peinigungen der Dämonen, sondern auch die der Engel. Das nenne ich mal eine praktische Regelung.

Ich weiß nicht ob es die Intension von Jefffrey Thomas war grundlegende Fragen aufzuwerfen oder ob er einfach nur eine krude Geschichte schreiben wollte, aber es stellt sich unwillkürlich die Frage - Wie gerecht und gütig kann ein Gott sein, wenn er die, die nicht an ihn glauben, für alle Ewigkeiten in der Hölle schmoren läßt, ohne Hoffnung auf Bewährung? -. Und so ist für mich als Leser nicht die eigentliche Hölle der Schrecken, sondern vielmehr die Hoffnungslosigkeit diese jemals wieder verlassen zu können. Frei nach Dantes Göttlicher Komödie gilt auch hier: "Lasst, die ihr hier eintretet, alle Hoffnung fahren!" Wobei man Dante jedoch noch freundlicherweise sein Fegefeuer zu Gute halten muss, denn darauf verzichtet Jeffrey Thomas. Bei ihm gilt nur “Hopp oder Top”. Das sogenannte “Gute im Menschen” ist aber auch in der Hölle von den Dämonen nicht aus den Verbannten auszutreiben. Es werden Ehen geschlossen und kleine Kinder adoptiert um auch hier ein bisschen greifbares Glück um sich zu haben.

Anfangs liest sich das alles recht spannend und gut, verliert aber in der Folge etwas an Reiz und tendiert hin zur Banalität. Bei der Suche des Autors nach immer ausgefalleneren Quälereien und Bestrafungen verliert die Hölle einfach den Schrecken. Eventuell stumpft man als Leser mit der Zeit auch einfach nur ab, ich vermute aber mal, dass es daran liegt, dass irgendwann der Zeitpunkt erreicht wird, wo die Strafen so abstrus und nicht mehr nachvollziehbar werden, dass man sie sich einfach nicht mehr vorstellen, bzw. sie als Leser nicht mehr “durchleben” kann.

Auch das Ambiente an sich wird immer irdischer und bekannter. Die Menschen leben in Städten zusammen, müssen sich eine Wohnung und eine Arbeit suchen, gehen nach dieser Arbeit in eine Bar und trinken sich einen. Das ist alles altbekannt und schon fast zu trivial, ich vermisse da einfach den Schrecken und das Höllische. Aber vielleicht ist das auch pure Absicht von Jeffrey Thomas. Möglicherweise ist die Hölle einfach nur die Fortsetzung der Trivialität des Lebens - einen 10 Stunden Arbeitstag mit eintöniger Arbeit zu haben, keinen Urlaub und kein freies Wochenende. Und das, für alle Ewigkeit. Oh man, das wäre tatsächlich die Hölle. So gesehen wären auch die Folterungen der Dämonen gar keine wirkliche Strafe, sondern lediglich mal eine willkommene Unterbrechung des täglichen stupiden Einerleis. Wirklich höllisch.

Die Charaktere sind recht oberflächlich. Das Buch verweilt bei niemandem länger als nötig und gibt auch keinen tieferen Einblick. Selbst die Liebesgeschichte zwischen dem Erzähler, einem Menschen, und der Dämonin Chara, so abstrus sie uns auch erscheinen mag, wird recht lieblos und kurz abgehandelt. Beide gehen mal hier, mal dort miteinander ins Bett und wünschen sich eine gemeinsame Zukunft. Das wars dann auch schon. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der Roman in Form eines Tagebuches erzählt wird und so vermutlich auch gar nicht die Grundlage hergibt um tiefer in die Charaktere eintauchen zu können. Möglicherweise war das auch gar nicht beabsichtigt. Schade ist es aber schon.

Fazit:
Ein zu Anfang faszinierendes und provozierendes Buch, welches keinerlei Rücksicht auf religiöse Feinfühligkeiten oder Konventionen nimmt, das an altbekannten und altgepflegten Vorstellungen rüttelt und Kampfkatholiken den Schweiß auf die Stirn treiben wird. Manchmal jedoch zu überzeichnet und leider auch mühsam bestrebt, Angst und Schrecken durch die Schilderung einer Vielzahl von Peinigungen und Quälereien hervorzurufen. Dank des Schreibstils von Jeffrey Thomas ist es locker und leicht zu lesen, aber für meinen Geschmack auch etwas zu oberflächlich.
 
 
 


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