•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Jason M. Hough

Darwin City: Die Letzten der Erde (Die Dire-Earth-Trilogie)


 
»Darwin City: Die Letzten der Erde (Die Dire-Earth-Trilogie)« von Jason M. Hough


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3)

 
 
Der erste Besuch eines außerirdischen Raumschiffs, irgendwann im 23. Jahrhundert, brachte der Erde zwei grundlegende Dinge – den ersten Weltraumaufzug und eine verheerende Seuche. Der noch einzig sichere Platz auf unserem Planeten ist die australische Stadt Darwin. Diese ist von einer Art kreisförmigen Aura umgeben, welche die Seuche daran hindert, in die Stadt vorzudringen. Jeder Mensch der sich außerhalb dieser Aura aufhält, mal von wenigen Immunen abgesehen, mutiert zu einem willenlosen Zombie.

Aber Darwin hat noch eine Besonderheit zu bieten. Von hier aus führt der, von den Außerirdischen installierte Weltraumaufzug, zu dem in einer geostationären Umlaufbahn zurückgelassen Schalenraumschiff seiner Erbauer, knapp 40000 km über der Erde. Entlang des Aufzugs haben ein Teil der überlebenden Menschen Stationen gebaut in denen sie leben und arbeiten. Die dort hergestellte Nahrung wird nach Darwin geschickt, im Gegenzug erhalten die Stationen Wasser und Sauerstoff.

Es ist ein sehr fragiles Verhältnis das die Menschen im Orbit mit denen in Darwin verbindet. Neid und Misstrauen sind allgegenwärtig. Als die Vermutung aufkommt die Außerirdischen könnten der Erde einen zweiten Besuch abstatten, entweder um ihr Werk der Vernichtung zu vollenden oder um die Reste der Menschzeit zu retten, kommt es im Laufe der Ereignisse zur Konfrontation zwischen den beiden Parteien.

---

Darwin City (OT: The Darwin Elevator) ist der erste Band einer Trilogie des Amerikaners Jason Hough. Nach der Hälfte des Buches fragte ich mich unwillkürlich, was den Knaur Verlag wohl dazu bewegt haben könnte von all den ausländischen SF Werken gerade dieses auf den deutschen Markt zu bringen. Darwin City ist ein eher sprödes Werk, welches erst ab der Mitte etwas spannender und interessanter wird. Die Handlung ist flach und übersichtlich, die Charakterzeichnung schlicht und relativ eindimensional, die Guten und die Bösen sind zudem schnell ausgemacht.

Die Faszination über eine untergegangene Erde, auf der sich die letzten Menschen in einer einzigen Stadt versammelt haben, will sich nicht wirklich einstellen. Das Leben in dieser Stadt wird so gut wie gar nicht thematisiert, das Leben in den verseuchten Gebieten außerhalb der Stadt beschränkt sich lediglich auf die Konfrontationen der Hauptcharaktere mit irgendwelchen sich dort befindlichen zombieähnlichen Kreaturen. Das ist zwar hin und wieder recht spannend, aber beileibe keine abendfüllende Unterhaltung. Auch die Schilderung des Lebens auf den Orbitalstationen entlang des Aufzug kommt leider viel zu kurz.

Richtig gut wird es erst nach rund 300 Seiten. Nachdem der Leser nun Zeit hatte um erste zarte Bande mit dem Hauptcharakter Skyler Luiken und seiner Besatzung zu knüpfen (allesamt immun gegen die Seuche), sich von der berechnenden Überheblichkeit eines Russel Blackfields (dem Chef auf der Erde) und der verhängnisvollen Neugier eines Neil Platz’ (dem eigentlichen Chef der Aufzugstationen und Blackfields Kontrahenten) zu überzeugen, kommt dann endlich auch die Handlung „in die Pötte“.

War sie bisher hauptsächlich von den 08/15 Einsätzen Luikens dominiert, der sich als Sammler alter Technologien in den verseuchten Gebieten hervorgetan hat, gelangt man nun endlich in den Bereich der wirklich wichtigen Handlungsabschnitte. Der Kampf um die Macht und die Vorherrschaft über die letzten Ressourcen entbrennt. Außerdem wird, mit Hilfe von sichergestellten Unterlagen, ein weiteres Rätsel in Bezug auf die Außerirdischen Aufzug-Erbauer aufgedeckt. Zudem nähert sich ein zweites Schalenschiff der Erde und erbaut einen weiteren Aufzug in Brasilien. Hier endet das erste Buch.

Ein altes Sprichtwort sagt, dass man aufhören soll wenn es am schönsten ist. Nun, daran hat sich Jason Hough auf jeden Fall gehalten. Dafür hat er aber auch leider da angefangen, wo es am langweiligsten ist. Keine besonders glückliche Kombination. Der Schreibstil von Hough ist durchschnittlich, jenseits von gut und böse. Er ist ein guter Erzähler, der auf ein großes Brimborium verzichtet (keine Schachtelsätze und kein ausufernder Gebrauch von Adverben und Adjektiven), der aber dafür auch relativ emotionslos schreibt. Die Ereignisse werden recht sachlich und neutral geschildert. Die Kämpfe zwischen Luiken und den „veränderten Menschen“ ließen mich unberührt.

Hough hat für mich viel an Potential verschenkt und falsche Schwerpunkte gesetzt. Alles wirkt seltsam oberflächlich, richtig in die Tiefe bei seinen Schilderungen geht er nicht. Die Funktionsweise des Aufzugs, die Seuche, das Alienraumschiff, alles wird erwähnt, nichts näher erklärt. Dabei wären das die Dinge gewesen, die sicherlich viele Leser interessiert hätten. Statt dessen ergeht sich Hough in der Schilderung zahlloser Bergungsaktionen von Luiken und seiner Besatzung, um Dinge wie Stromkabel und technische Spielereien sicherzustellen. Nun ja, irgendwo müssen die Ersatzteile von Darwin ja herkommen.

Im Nachhinein gesehen ist es schade, dass so wenig über die Vorgeschichte dieser Alieninvasion bekannt ist. Es gibt zwar ein Prequel zur Trilogie, The dire earth, aber diese Novelle ist nicht ins Deutsche übersetzt worden und nur als E-Book erhältlich. Wären die letzten 200 Seiten nicht, könnte ich gut auf eine Fortsetzung der Reihe verzichten, denn dazu ist sie einfach zu hausbacken und fällt für mich unter den Begriff Dutzendware. Aber, wie schon erwähnt, lassen die Ereignisse im zweiten Teil des Buches auf eine unterhaltsame Fortsetzung der Reihe hoffen. Die Frage ist nur, ob der Verlag diese Bücher auch übersetzen wird oder ob die Reihe das Schicksal ihrer vielen Vorgänger teilen wird. Ich befürchte eher letzteres.

Fazit
Der Leser sollte sich vom ersten Teil des Buches nicht abschrecken lasse und dran bleiben – es wird definitiv besser und unterhaltsamer. Gebt der Geschichte eine Chance!
 
 
 


Mehr Rezensionen von D. Vallenton