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Isaac Asimov

Sterne wie Staub: (Roboter und Foundation - der Zyklus, Band 6)


 
»Sterne wie Staub: (Roboter und Foundation - der Zyklus, Band 6)« von Isaac Asimov


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Das in der Nähe des Pferdekopfnebels liegende Imperium der Tyranni breitet sich mehr und mehr aus. Die umliegenden Welten werden durch eine agressive / militärische Intervention annektiert. Eine dieser so einverleibten Welten ist der Planet Rhodia auf dem die Hinriad Dynastie, mit der Zustimmung des tyrannischen Hochkommissars Aratap, der die eigentliche Macht ausübt, als Marionettenregierung weiter herrschen darf.

Als der junge Biron Farrill, dessen Vater von den Tyranni wegen verschwörerischer Umtriebe hingerichtet wurde, nach Rhodia kommt, werden die Tyranni hellhörig. Aufgeschreckt durch das Gerücht es gebe eine Rebellenwelt die sich dem Widerstand gegen die Tyranni verschworen hat, gerät Farrill in das Visier Arataps. Obwohl Farrill anfangs nichts mit einer möglichen Rebellion zu schaffen hat, wird er durch die sich überschlagenden Ereignisse immer tiefer in die Sache mit hineingezogen und kann bald schon nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden.

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Ein wohliges Gefühl hat mich beim Lesen von Isaac Asimovs Buch Sterne wie Staub (OT: The stars, like dust) durchzogen. Nach all den unzähligen neuen, jungen und aufstrebenden Autoren die ich in den letzten Jahren gelesen habe - und denen in der Regel auf dem hinteren Cover ihrer Bücher immer wieder lauthals bescheinigt wurde sie seien die legitimen Erben von Asimov, Heinlein, Clarke oder was weiß ich von wem noch alles - bin ich jetzt endlich wieder da angelangt, wo ich mich als SF Fan seit jeher zu Hause gefühlt habe – im Foundation Universum. Und ich kann gar nicht in Worte ausdrücken wie gut mir das getan hat endlich mal wieder den Meister selber und nicht einen seiner zahlreichen sogenannten Erben zu lesen.

Das vorliegende Buch jedenfalls ist Teil der sogenannten Imperiums Trilogie (oder auch Die frühe Foundation Reihe genannt) und deckt die Zeit nach der ersten großen Besiedlungswelle der Menschheit in den Weltraum ab. Da dieses Buch allerdings nur sehr lose mit der Foundation Reihe verbunden ist kann es daher auch als separater SF Roman gelesen werden. Vorkenntnisse sind glücklicherweise nicht nötig, denn Trantor, Terminus und Hari Seldon liegen noch weit weit entfernt in der Zukunft.

Ältere SF Bücher haben oftmals mit dem Problem zu kämpfen das sie antiquiert wirken. Die damaligen wissenschaftlichen Erkenntnisse und die geschilderte Technik hinken, wenn man sie aus heutiger Sicht betrachtet, den neuesten Fakten oft gnadenlos hinterher oder sind völlig obsolet geworden. Mit diesem Problem hat das Buch von Asimov, immerhin im Jahr 1950 zum ersten Mal erschienen, glücklicherweise aber nicht (oder nur sehr wenig) zu kämpfen.

Der Atomantrieb der Raumschiffe mutet zwar durchaus etwas veraltet an, aber Asimov hat sich sonst nicht viel in diesem Buch um Technik oder Wissenschaft gekümmert. Im Vordergrund steht eindeutig das Intrigenspiel und das Verhältnis der handelnden Personen zueinander. Die Entschuldigung Asimovs im Nachwort das er die Planetenatmosphäre einer Typ-E Welt falsch wiedergegeben hat, ist dankenswert, aber auch überflüssig. Selbst ich als versierter (behaupte ich jetzt einfach mal) SF Leser habe den leichten Unterschied in der Zusammensetzung der Atmosphäre nicht bemerkt.

Wie man es von Asimov gewohnt ist, sind die Personen nicht immer die, die sie vorgeben zu sein. In seinen Intrigenspielen geht Asimov nie den einfachen Weg, die Verwicklungen sind immer viel komplizierter als man es erwartet oder ausgemacht zu haben glaubt. So auch im vorliegenden Buch. Wer also meint er hätte die Sache durchschaut und wüsste „wo Barthel den Most holt“ wird sich noch schwer wundern. Biron Farrill, Sander Jonti, Simok Aratap oder die Mitglieder der Hinriad Dynastie sind wesentlich vielschichtiger, undurchschaubarer und intriganter als man annimmt. Aber genau das macht den Reiz dieses Buches aus. Wer jedoch Action erwartet, wird etwas enttäuscht werden, denn Äktschen war noch nie die Stärke von Asimov und vermutlich auch nicht sein primäres Anliegen. Erst zum Ende hin wird die Handlung etwas ereignisreicher und ist nicht mehr so dialoglastig wie zuvor.

Die Krone setzt Asimov der Geschichte jedoch mit dem verschwundenen Dokument von der Erde auf (das es tatsächlich auch in unserer realen Welt gegeben hat) und das von allen Beteiligen zwar gesucht aber irgendwie doch auch wieder links liegen gelassen wird. Für einen amerikanischen Autoren ist der Inhalt dieses Dokuments vermutlich das Nonplusultra, bei mir als deutschem Leser jedoch ruft die die Preisgabe des Inhaltes, auf der letzten Seite des Buches, dann doch eher ein Schmunzeln hervor. Wenn man bedenkt was dort steht und was daraus geworden ist, kann man dem Vorleser wirklich nur eines sagen: „Vergiss es, es bleibt einfach nur ein (schöner) Traum.“

Fazit:
Das vorliegende Buch hat MIR eines deutlich gemacht – nämlich wie schön es sein kann, sich wieder den alten Meistern und ihren Geschichten zuzuwenden. Etwas, das ich schon viel zu lange nicht mehr gemacht hatte und das zu wiederholen ich mir nun als angenehmen Aufgabe auferlegt habe. Was brauche ich eigentlich den neumodischen Scheiß um Cyberspace, virtuelle Welten und ausufernden Technikbeschreibungen, wenn ich doch eigentlich schon mit den alten liebevoll geschriebenen sense of wonder Geschichten zufrieden bin?
 
 
 


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