•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Isa Grimm

Klammroth

  • Autor:Isa Grimm
  • Titel: Klammroth
  • Serie:
  • Genre:Horror
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Bastei Lübbe (Lübbe Paperback)
  • Datum:13 März 2014
  • Preis:14,99 EUR

 
»Klammroth« von Isa Grimm


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Vor knapp zwanzig Jahren ereignete sich ein schreckliches Unglück in dem kleinen Örtchen Klammroth: Vier Busse mit Schulkindern, Lehrern und Fahrern sind in einem Tunnel verunglückt; viele sind verbrannt, noch mehr überlebten die Katastrophe schwer verletzt. Entstellt für ihr Leben. So auch Anais, die wegen des Todes ihrer Stiefmutter zurück nach Klammroth kommt. Eine Welle des Hasses und des Misstrauens schlagen der jungen Frau und ihrer Tochter entgegen, war sie doch die erste, die aus dem Tunnel flüchten konnte. Doch nicht nur die Menschen hassen sie, auch der Tunnel scheint auf der Jagd nach seinem verlorenen Opfer zu sein.

Das Cover zeigt Anais bei ihrer Flucht aus dem Tunnel. Flammen züngeln um sie herum und der Ausgang des Tunnels wirkt wie ein bösartiges Maul, welches sein Opfer nur ungern entlässt. Das Bild passt hervorragend zum Inhalt des Buches. Zusammen mit dem Klapptext war es ein Grund, warum ich zu diesem Buch gegriffen habe.

Der Einstieg den Isa Grimm wählte, war nicht nur beeindruckend, sondern auch mal etwas völlig anderes. Sie stellte die Klammroth, vielmehr den Berg, der den Mittelpunkt ihres Buches einnimmt, als eigenständiges, lebendes Wesen vor, personifiziert den Tunnel also. Dadurch erschafft Grimm mit einem Schlag eine bedrückende, Angst einflößende Atmosphäre, die mir unter die Haut ging.
Isa Grimm schreibt schnell, mitreißend und wahnsinnig spannend. Durch ihren ungewöhnlichen Einstieg in die Handlung fesselte sie mich sofort und mir fiel es denkbar schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Wie eine Schlinge zieht sich die Spannung und die Unheimlichkeit immer mehr zusammen, beengend und Angst erfüllt schlug es mich in seinen Bann. Immer wenn ich dachte, eine Steigerung ist nicht mehr möglich, legte Grimm noch eine Schippe drauf.
Auch die perfekt geschilderte Umgebung trug maßgeblich zu meinem empfundenen Unbehagen bei. Klammroth ist ein Ort im Nichts, umgeben von Weinbergen, von einem Fluss geteilt. Drohendes Hochwasser, schlechtes Wetter und Kälte wirkten wie ein Schleier, ein undurchdringlicher, der nicht zerrissen werden kann. Die ganze Zeit spürte ich eine namenlose Bedrohung auf die Protagonisten zurasen und konnte mich dem Klammergriff doch nicht entziehen.
Hinzu kommen die Schilderungen der Brandopfer, die eine Mischung aus Abscheu und Mitgefühl in mir erzeugten. Lange rätselte ich, wie es zu so einem schweren Unglück kommen konnte, wie bösartig der Berg wohl on seinem Inneren ist, um Kinder zu töten. Oder war es doch nur menschliches Versagen, das zu der Katastrophe führte? Viele Überlegungen quälten und beschäftigten mich, die ich einfach nicht lösen konnte.

Grimms Charaktere wirken auf mich genauso beklemmend, wie dir Umgebung Klammroths. Anais als Protagonistin erschien mir noch am menschlichsten und nahsten, da ich mit ihr eine Verbindung aufbauen konnte. Zu Beginn jedenfalls. Doch nach und nach verlor ich auch zu ihr den Halt, was die Geschichte für mich aber eher noch reizvoller machte. Anais Gedanken schweiften immer mehr ab in eine Dimension des Dunklen, in die ich ihr einfach nicht folgen konnte und auch wollte. Nach dem verheerenden Unglück verließ sie als junge Frau ihre Heimat und kehrt nun gezwungenermaßen zurück. Jede Stelle, jeder Ort, jedes Haus birgt eine Erinnerung; teils schön, teils lustig, teils mit schlechtem Gewissen behaftet, wie ein Leben nun mal verläuft. Doch über allem schwebt die Bedrohung des Berges und scheint alles andere auszulöschen und in den Schatten zu stellen. Anais konnte sich diesem Einflusses zwar entziehen, aber wie eine Welle schlägt die vorherrschende Stimmung nun über ihr zusammen und droht sie mit in die Tiefe zu reißen. Verrat, Angst, bedrohliche Geheimnisse, Angst und der ewige innere Kampf, dass sie als erste dem Inferno entkommen konnte, nagen an Anais und auch an ihren Mitschülern von damals.
Anais trifft einige ihrer alten Freunde und sieht, wie sie sich weiterentwickelt haben. Oder auch nicht. Ihr Blickwinkel auf damals, gepaart mit heute ist interessant und ich überlegte häufig, ob es mir ebenso gehen würde, wenn ich eine Reise in die Vergangenheit antreten würde.

Mein Fazit

Unheimlich und spannend! Aber doch ganz anders, als ich erwartet hatte.
 
 
 


Mehr Rezensionen von Elohym78