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Erika Johansen

Die Königin der Schatten

  • Autor:Erika Johansen
  • Titel: Die Königin der Schatten
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:15 Juni 2015
  • Preis:14,99 EUR

 
»Die Königin der Schatten« von Erika Johansen


Besprochen von:
 
NannyOgg
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Kelsea Raleigh Glynn hat bei Pflegeeltern ein behütetes, aber verstecktes und einsames Leben geführt. Als Kronprinzessin wurde sie ihr Leben lang darauf vorbereitet, an ihrem 19. Geburtstag zur Königin von Tearling gekrönt zu werden. Gleichzeitig durfte niemandem wissen, dass sie noch am Leben ist, da ihr Onkel, der Regent, ihr nach dem Leben trachtet, um selbst Herrscher über Tearling zu bleiben.

Nun ist jedoch der Tag gekommen, an dem Kelsea ihre Pflegeeltern verlassen muss, um in Neulondon ihre Krone in Empfang zu nehmen. Der Ritt in die Hauptstadt von Tearling erweist sich allerdings alles andere als leicht, denn ihre Feinde haben sie endlich aufgespürt und machen Jagd auf sie.

Nach einer abenteuerlichen Flucht gelangt sie endlich nach Neulondon, muss aber feststellen, dass in ihrem zukünftigen Reich nicht alles so läuft, wie sie es sich vorgestellt hat. Die Bauern werden von den Adeligen als Leibeigene gehalten und ausgebeutet, das technisch hochentwickelte Reich Mortmesne an der Ostgrenze verlangt im Austausch für Frieden monatliche Sklavenlieferungen.

Kelsea erkennt, dass sie ihr Schicksal als Herrscherin über Tearling akzeptieren muss, wenn sie den Menschen helfen will. Entschlossen macht sie sich daran, eine gerechte und friedliche Welt aufzubauen. Doch nicht jeder in ihrem Palast hat die gleichen Ziele ...

Kommentar:
Die Königin der Schatten ist der erste Band einer geplanten Trilogie. Das Buch ist daher nicht in sich abgeschlossen, sondern lässt am Ende viele Fragen offen.

Kelsea ist ein sympathischer Mensch, leicht zu mögen, allerdings manchmal auch sehr idealistisch und naiv. Sie lässt sich von Gefühlen und Empfindungen leiten, ist neugierig und wissbegierig. Sie versucht, in das Leben als Königin, das sie eigentlich gar nicht führen möchte, hineinzufinden, akzeptiert und geliebt zu werden. Sie kommt als Charakter sehr glaubhaft herüber, allerdings konnte ich ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen. Ihre Schwärmerei für den Vater der Diebe fand ich eher anstrengend und erinnerte mich an ein 12-jähriges Mädchen und nicht an eine junge Erwachsene, die über ein Reich herrscht. Auch ihre kumpelhafte Art mit ihren Untergebenen war manchmal etwas zu übertrieben dargestellt. Als sehr klischeehaft empfand ich, dass das Aussehen von Kelsea als unscheinbar, gewöhnlich und leicht pummelig beschrieben wird, während sie intelligent und wissbegierig ist. Ihre Mutter, die vorherige Königin, wird dagegen als schön und schlank beschrieben, aber als oberflächlich, dumm und feige.

Leider sind viele der beschriebenen Charaktere eher Stereotype, wie sie in vielen Fantasygeschichten vorkommen. Ihr engster Vertrauter und Mentor ist ein wortkarger Kämpfer, der im Alleingang mehr Gegner besiegen kann als jeder anderer. Es gibt den charmanten und attraktiven Gauner, die böse Königin, die Magie beherrscht, den machthungrigen aber feigen und trägen Regenten, sowie den durchtriebenen, skrupellosen Bösewicht, der im Hintergrund versucht, die Fäden zu ziehen.

Die Geschichte selbst bietet auch nichts wirklich Neues: Ein Königreich wird von einem unfähigen Herrscher regiert und von einer bösen Königin bedroht. Eine Heldin taucht auf, um mit Hilfe von Magie und ihren Mitstreitern das Königreich zu retten. Die Bösen sind grundsätzlich böse, die Guten sind gut, auch wenn sie ihre Schwächen haben und vielleicht sogar manchmal an sich zweifeln. Selbst der zwielichtige Vater der Diebe ist im Herzen gut und fällt damit in eine der beiden Kategorien. Im Grunde hat dieses Buch kaum Grautöne, es ist eine Geschichte Gut gegen Böse. Das muss nicht schlecht sein, aber in diesem Buch fand ich es eher ermüdend.

Auch wenn Tearling als durchschnittliche mittelalterliche Fantasywelt beschrieben wird, gefällt mir die Geschichte zu dieser Welt sehr gut. Sehr viel erfährt der Leser zwar (noch?) nicht, allerdings scheinen die Vorfahren Tearlings und der benachbarten Welten vor mehreren hundert Jahren aus einer Welt zu stammen, die der unseren nicht unähnlich ist. Es tauchen Namen wie Neulondon, Amerika und Neues Europa auf, im benachbarten Mortmesne kennt man Kanonen, Technik und Ärzte, es gab einmal medizinische Geräte, bevor sie verloren gegangen sind, und es werden Bücher wie Harry Potter oder Herr der Ringe erwähnt. Einerseits ist es sehr irritierend, wenn in einem landwirtschaftlich geprägten Reich ohne Technik davon die Rede ist, dass die Vorfahren elektronische Bücher kannten, auf der anderen Seite macht das den Reiz dieser Welt aus.

Sehr gut gefallen hat mir auch die deutsche Übersetzung des Buches; die Geschichte war flüssig zu lesen und die Sprache sehr angenehm, ohne Satzungetüme oder Flüchtigkeitsfehler, die den Lesespaß ausbremsen.

Fazit:
Die Geschichte ist gut zu lesen und hat eine sympathische Heldin, konnte mich aber nicht wirklich überzeugen, da ich das Gefühl hatte, alles schon einmal auf die eine oder andere Weise gelesen zu haben. Nur die Vergangenheit der Welt, die leider nur angedeutet wird, fand ich originell. Es ist auf jeden Fall Potenzial nach oben vorhanden und ich hoffe, dass der zweite Band, den ich auf jeden Fall lesen werde, dieses Potenzial ausschöpft.
 
 
 


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