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Erika Johansen

Die Königin der Schatten
Verflucht

  • Autor:Erika Johansen
  • Titel: Verflucht
  • Serie:Die Königin der Schatten
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:16 Mai 2016
  • Preis:14,99 EUR

 
»Verflucht« (Die Königin der Schatten) von Erika Johansen


Besprochen von:
 
NannyOgg
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Indem Kelsea die Menschenlieferungen an die Rote Königin von Mortmesne verboten hat, hat sie sich mächtige Feinde geschaffen. Die Armee der Roten Königin rückt unaufhaltsam Richtung Neulondon und ist um ein vielfaches mächtiger und größer als die Teararmee. Verzweifelt versucht Kelsea, Verbündete zu gewinnen, notfalls auch einen Pakt mit dem Teufel einzugehen.

Die Rote Königin hat inzwischen ganz andere Sorgen. Im Fairwitchgebirge rührt sich etwas, ein Dämon aus vergangenen Zeiten, der befreit werden möchte. Er ist auf die Königin aus Mortmesne nicht gut zu sprechen, hat sie doch versagt, ihm die Freiheit zu schenken. Um gegen ihn bestehen zu können und ihre Vergangenheit ein für alle mal auszulöschen, braucht sie unbedingt die Saphire, die Kelsea besitzt. Gleichzeitig regt sich Widerstand in ihrem Land, die Menschen beginnen, sich gegen sie aufzulehnen.

Eine andere Zeit, ein anderes Leben. Lily lebt in einem Amerika, das stark gespalten ist. Eine privilegierte Minderheit, zu der sie gehört, lebt geschützt und überwacht hinter Mauern, der Großteil der Bevölkerung ist bettelarm und kämpft ums Überleben. Aber auch Lilys Leben ist nicht so schön, wie es von außen den Anschein haben mag. Die Gesetze haben den Frauen viele ihrer Rechte genommen, sie haben kein eigenes Geld mehr, der Besitz gehört dem Mann, jeder Mensch ist gechipt und wird überwacht. Lily wird regelmäßig geschlagen, hat sich mit ihrem Leben aber arrangiert. Das ändert sich, als eine verwundete Widerstandskämpferin in ihrem Garten landet. Sie hilft ihr und beginnt, an ein Leben in Freiheit zu glauben, sammeln sich die Widerstandskämpfer doch, um in eine bessere Welt zu reisen…

Kommentar:
Die Geschichte um Kelsea leidet ein bisschen daran, dass „Verflucht“ ein Mittelband ist. Die Armeen sammeln sich, Strategien werden geplant, Verbündete gesucht, aber die entscheidende Schlacht steht noch aus. Im Grunde genommen passiert in diesem Teil der Geschichte sehr wenig. Trotzdem ist auch dieses Wenige spannend geschrieben, da mehr auf Kelseas Innenleben eingegangen wird, auf ihre Ängste und Hoffnungen.

Kelsea macht dabei eine Verwandlung durch, sie wird brutaler und rücksichtsloser, auch sich selbst gegenüber. Sie foltert ihre Gegner, weil die Menge es sehen will, und verletzt sich selbst, um ihrer eigenen Wut zu entgehen. Auch äußerlich verändert sie sich. Während Kelsea mir im ersten Teil sehr sympathisch war, fiel es mir in diesem Band immer schwerer, sie zu mögen. Gleichzeitig wird dem Leser die Gefühlswelt der Roten Königin näher gebracht, man erfährt, wer sie ist, wie sie zu dem wurde, was sie ist und ich hatte sogar Mitleid mit ihr.

Was mir wirklich gut gefallen hat, aber vielleicht nicht jedermanns Sache ist, waren die Beschreibungen der Welt, bevor sie zu der wurde, in der Kelsea lebt. Auch wenn die Geschichte in einer mittelalterlich anmutenden Fantasywelt spielt, wurde schon im ersten Band deutlich, dass diese Welt aus der unseren herausgegangen sein muss, da Bücher wie „Harry Potter“ oder „Herr der Ringe“ überdauert haben. In diesem Band spielt ein Teil der Geschichte in einem Amerika, dass nicht allzu weit in unserer Zukunft liegt. Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich vergrößert, die Menschen leben privilegiert aber durch das System überwacht oder fristen ihr Dasein außerhalb der Mauern der Reichen. Dieser Handlungsstrang erzählt von Lily, die anfängt, von einer besseren Welt zu träumen, und von William Tear, der Tearling gegründet hat.

Diese Geschichte zeigt eine erschreckende, dystopische Zukunft, wie sie aber durchaus vorstellbar ist, ohne Hoffnung auf eine Lösung. Lily lebt ein trauriges Leben, sie wird von ihrem Mann geschlagen und hat kaum Rechte, keine Chance, dem Leben zu entfliehen. Ihre Schwester, die das System in Frage gestellt hat, wurde abgeholt und eingesperrt. Dieser ganze Handlungsstrang ist sehr traurig, selbst die Hoffnung auf ein besseres Leben ist moralisch fragwürdig, ist William Tear doch kein Sympathieträger, sondern jemand, der selbstgerecht ist, eine bessere Welt verspricht, aber nur den Menschen eine Chance gibt, die seinen Standards genügen.

Indem die Geschichte zwischen diesen zwei Handlungen hin und her springt, hatte ich manchmal das Gefühl, zwei Geschichten in einem Buch zu lesen. Ich fand den zusätzlichen Aspekt der Vergangenheit sehr interessant, Leser, die für Dystopien nichts übrig haben, sind vielleicht anfangs etwas irritiert. Im Laufe der Geschichte wird der Zusammenhang allerdings deutlich. Gleichzeitig werden dadurch auch einige Fragen beantwortet, die schon im ersten Band aufgetaucht sind. Allerdings sind am Ende der Geschichte mehr Fragen offen, als vorher beantwortet werden.

Trotz einiger Schwächen fand ich diesen zweiten Band besser als den ersten Teil, da es mir gefallen hat, wie die Handlung um die Geschichte um Lily erweitert wurde. Das Ende ist leider offen, sodass ich nun die nächsten Monate hibbeln werde, bis der dritte Teil erscheint.

Fazit:
Die Geschichte um Kelsea wird spannend fortgesetzt, auch wenn nicht ganz so viel passiert wie im ersten Teil. Dafür erfährt der Leser mehr über die Vergangenheit und die Vorgeschichte von Tearling, was mir sehr gut gefallen hat.
 
 
 


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