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Dirk Van den Boom

Die Welten der Skiir 1: Prinzipat


 
»Die Welten der Skiir 1: Prinzipat« von Dirk Van den Boom


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Dies ist die Besprechung eines Hörbuches, welches uns von Audible freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

Dirk van den Boom - Die Welten der Skiir 1, Prinzipat
Autor: Dirk van den Boom
Gesprochen von: Günter Merlau
Spieldauer: 11 Std. 17 Min.
ungekürztes Hörbuch
Veröffentlicht:19.09.2016
Anbieter: Audible GmbH


Die Geschichte
Vor über 200 Jahren wurde die Erde von den insektoiden Skiir annektiert und unter einen weltumspannenden Schutzschirm hermetisch abgeriegelt. Was die Skiir so nett eine“ In Obhutnahme“ nennen, ist für die Menschen nichts anderes als ein kriegerischer Akt, eine Invasion.

Nun, nach über 200 Jahren, wird der Schutzschirm wieder deaktiviert, malerisch als „Das Erwachen“ umschrieben, und die Menschen dürfen sich erneut in den Weltraum hinauswagen um ein nützlicher Teil einer galaxisweiten Gemeinschaft, genannt Reichsrat, zu werden. In diesem Rat sind über 900 verschiedene Alienvölker vertreten. Zum Botschafter der Menschheit wird Flokhard Eder auserkoren. Mit ihm zusammen treten noch drei andere Menschen die Reise ins Argos System, dem Sitz des Reichsrates in einem gigantischen künstlichen Habitat, an. Als Neuerwachte hat die Stimme der Menschheit allerdings nur die Gewichtigkeit einer Träne im (Dauer-) Regen.

Im Argos System angekommen, und nach der ersten Ratssitzung, erkennen Flokhart und seine Mitstreiter schnell, dass nicht alles so ist wie es scheint (oder sein sollte). Es gibt eine Widerstandsbewegung, die nicht sonderlich gut auf die Skiir zu sprechen ist und im Hintergrund fleißig die Strippen zieht. Und als dann noch ein unbekannter Gegner auftaucht und die Heimatwelt der Auleli Prinzessinnen zerstört, ist das Chaos perfekt.

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Der Sprecher
Bei dem Sprecher handelt es sich Günter Merlau, einem schon mehrfach im Bereich Hörspielproduktion ausgezeichneten Regisseur und Sprecher. Seine Stimmlage ist ein Bariton und recht angenehm zu hören. Er erzählt nuanciert und versucht jeder Figur der Geschichte eine eigene Stimme zu verleihen. Nur, wie hört sich ein insektoider Skiir für menschliche Ohren wohl wirklich an? Tja, wir werden es nie erfahren. Das einzige, das mich anfangs bei der Erzählweise von Herrn Merlau etwas gestört/irritiert hat, war das teils laute Einatmen beim Beginn eines neuen Satzes. Glücklicherweise hat es im weiteren Verlauf entweder nachgelassen, oder ich habe mich schlichtweg daran gewöhnt. Zusammenfassend kann ich sagen, dass Herr Merlau eine gute Arbeit abgeliefert hat.

Meine Hörbucherfahrung
Für mich als überzeugter Papierbuchkonsument, der Ebooks und Hörbüchern zwar nicht ablehnend gegenübersteht, aber doch lieber die gedruckte Form auf Papier bevorzugt, war der Konsum eines Hörbuches daher eine interessante Erfahrung. Sollte ich in der nachfolgenden Besprechung vielleicht Namen oder Orte falsch schreiben, bitte ich um Nachsicht, denn diese kann ich nur aus der gehörten Form ableiten, aber nicht optisch nachlesen.

Nicht selbst aktiv zu sein und sich statt dessen über 11 Stunden lang von jemand anderem ein Buch vorlesen zu lassen, hat mich in meine früheste Kindheit versetzt, in der mir meine Mutter in der Regel immer dann Bücher vorgelesen hat, wenn ich abends nicht einschlafen konnte. So ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass ich ab und an ins Reich der Träume abgeglitten bin wenn ich mir abends Die Welten der Skiir 1, Prinzipat angehört habe. Offensichtlich konnte sich mein Köper/Geist noch gut an meine Kindheit erinnern. Folgerichtig bin ich dann dazu übergegangen, mir das Buch nur noch dann anzuhören, wenn ich Sport getrieben habe. Ein weiser Entschluß wie sich herausgestellt hat.

Mein Eindruck
Das wir es hier mit einem „echten“ Dirk van den Boom zu tun haben, läßt sich klar an drei (von ihm selbst posttulierten Punkten) festmachen: Titten, Aliens, Raumschiffe. Dazu noch jede Menge Action, Verschwörungen und Sauerein der erotischen und tentakelartigen Art. Das er diese Punkte grandios beherrscht, hat er schon in seiner Kaiserkrieger, Daxxel und Tentakel Reihe bewiesen. Das er zudem noch Fachbücher aus dem Bereich Politikwissenschaft (mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik) schreibt, kommt dem vorliegenden Buch zugute, denn ein großer Bestandteil der Serie scheint wirklich der Bereich (galaktische) Politik zu sein.

Die Ausgangslage bei diesem Buch ist nicht wirklich neu oder innovativ. Das die Erde durch einem Schutzschirm abgeschottet ist kennen wir bereits aus den Büchern von Robert Wilson oder der Perry Rhodan Serie. Den galaktischen Rat, in dem die versammelten Völker der Galaxis vereint sind, finden wir auch bei Andreas Brandhorst oder bei einem John Scalzi. Es ist halt immer nur die Frage, was die Autoren daraus machen und wie sie es dem Leser verkaufen.

Dirk hat eine Story daraus gemacht, die auf mehreren Ebenen spielt und mitunter recht komplex ist. Eine davon ist der zu klärende Mord an dem Delegationsmitglied Arnulf Torben, welcher ursprünglich zum Argos System mitreisen sollte und durch einen angeblichen Selbstmord nun durch Dr. Harkin Leybold ersetzt wurde. Dem Ermittler Tobias Markensen ist es vorbehalten in dem vorgetäuschten Selbstmord zu ermitteln. Das was er dabei herausfindet, läßt Rückschlüsse auf eine riesige Verschwörung von Außerirdischen auf der Erde zu, die gegen die Skiir gerichtet ist.

Eine weiterere Handlungsebene ist der Angriff von Unbekannten auf die Heimatwelt der Auleli Prinzessinnen. Auch hier scheint es eine weitere Verschwörung zu geben, die allerdings in den Reihen der Skiir zu suchen ist, die sich untereinander bekämpfen. Grund dafür sind Differenzen innerhalb ihrer Rangordnung (eine Art Kastenwesen wie es dies auch z.B. in Indien gibt). Die Skiir unterscheiden zwischen dem Prinzipat (regiert die Welt), dem Protektorat (beschützt und behütet) und dem Patronat (reinigt den Geist). Alle Kasten streben untereinader die Vorherrschaft an und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück – auch nicht gegen ihre Untergebenen, denen sie mal schnell nach Tentakelart per KUSS das Gehirn aussaugen. Werden Hilfsvölker gar zu mächtig oder aufmüpfig, oder passt es den Skiir einfach nur in den Plan, werden sie vernichtet. Wie die Auleli.

Gespickt werden diese Haupthandlungspunkte von zahlreichen interessanten Alienrassen und Protagonisten, die nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Die Widerstandsorganisation, welche sich durch alle Alienrassen zieht, spielt eine wichtige Rolle, gleichfalls scheint der „Erwachten Erde“ eine Schlüsselrolle zuzukommen. Mit seinen Begleitern, insbesondere Jolanda Icksen, sollte Eder vorsichtig sein, denn Jolana hat eine Art Gehirnwäsche hinter sich und ist den Skiir völlig ergeben. Das sie dazu noch gerne masturbiert und massive Brüste hat, sollte klar sein. Ebenso die Tatsache das Bixa Li, offiziell die Adjutantin von Eder, gerne in hautengen und körperbetonenden Anzügen trainiert und ein eindeutiges unmoralisches Angebot einer Auleli Prinzessin erhält. Aber auch Eder selber macht eine interessante körperliche Entwicklung durch (Dr. Manhattan läßt grüßen).

Es gibt jedoch auch einige Punkte die mir sauer aufgestoßen sind. So hat es Dirk m.M.n. nicht geschafft, die Außerirdischen auch wirklich als fremdartig darzustellen. Sie sehen in der Mehrzahl zwar fremdartig aus, verhalten sich jedoch von ihrer Einstellung her wie Menschen. Es wird intrigiert, geliebt, geflucht, man ist neidisch und andere menschliche Dinge mehr. Wenn ein insektoider Skiir Sätze wie „Das Imperium kann mich mal“ von sich gibt, menschelt es doch sehr (zumal natürlich niemand weiß, ob die Skiir auch tatsächlich einen Arsch haben an dem sie das Imperium ...). Auch scheint mir der Zustand der Erde nach einem zweihundertjährigen aufgezwungenem Exil, in dem die Skiir den Menschen viele technische und wissenschaftliche Entdeckungen genommen haben, viel zu „normal“ zu sein. Der Hinweis, es gäbe kein Militär und keine Ländergrenzen mehr, ist mir etwas zu dürftig.

Die Handlung ist recht komplex und wird nur Schicht um Schicht enthüllt, sie ist mehr als nur eine "hau drauf und weg" Story. Vieles bleibt vorerst im Dunkeln und als Leser kann man nur spekulieren. Man muss jedoch jederzeit damit rechnen, aufs Neue überrascht zu werden. Dank des mitschwingenden ironischen Untertons, den man bei Dirks Büchern immer findet, bleibt die Geschichte durchgehend interessant und unterhaltsam, auch wenn mir Dirk manchmal eine Spur zu geschwätzig und zu ausschweifend ist.

Fazit
Eine lesenswerte und recht kurzweilige Geschichte, welche ihr volles Potenzial aber wohl erst in den Nachfolgebüchern entfalten wird. Was passiert weiter mit dem „mutierten“ Flokhart Eder, zu welchen weiteren Erkenntnissen gelangt Tobias Markensen, welche Rolle ist der Erde im Kampf gegen die Skiir zugedacht und hat Bixa Li tatsächlich Sex mit der Auleli Prinzessin? Ich bin sicher, Dirk wird noch einige interessante, erotische und äußerst spannende Antworten liefern.
 
 
 


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