•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Derek Landy

Skulduggery Pleasant 6
Passage der Totenbeschwörer

  • Autor:Derek Landy
  • Titel: Passage der Totenbeschwörer
  • Serie:Skulduggery Pleasant 6
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Loewe Verlag
  • Datum:09 Oktober 2012
  • Preis:17,95 EUR

 
»Passage der Totenbeschwörer« (Skulduggery Pleasant 6) von Derek Landy


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Nun ist es soweit, die Totenbeschwörer haben einen Grund zum Feiern – ihr neuer Todbringer ist endlich gefunden. Was für die einen jedoch ein Grund zur Freude ist, ist für die anderen ein Grund endlich mal klar zu Schiff zu machen und den Totenbeschwörern zu zeigen wo der Hammer hängt oder der Bauer den Most holt. Und wer könnte für diese Aufgabe besser geeignet sein als das dynamische Duo Skulduggery Pleasant und Walküre Unruh?

Als die beiden nämlich vom Obertotenbeschwörer Auron Tenebrae erfahren das für die Rettung der Welt, und für die anschließende damit einhergehende Unsterblichkeit aller Überlebender, rund die Hälfte der Menschheit sterben muss (knapp dreieinhalb Milliarden Menschen), ist das für die beiden Grund genug, sich der Sache anzunehmen und ein ernstes Wörtchen mit allen Beteiligten zu reden. Dumm nur, dass der neue Todbringer sich als durchaus ebenbürtig erweist und sich einfach nicht von seinem Vorhaben, die Menschheit zu dezimieren, abbringen lassen will. Um dennoch nicht den Kürzeren zu ziehen, muss Skulduggery sein gut gehütetes Geheimnis offenbaren und in die Rolle eines Massenmörders schlüpfen. Einer Rolle, die er vor Jahrhunderten schon einmal wahrgenommen hat und die er zu verdrängen versuchte. Denn wer möchte schon daran erinnert werden, dass er für den Tod von Tausenden von Menschen verantwortlich gewesen ist?

---

Also, eines muss man Derek Landy schon zugestehen: Er macht keine halben Sachen. Wie auch in manchen Vorgängerbänden der Reihe, überschlagen sich auch in Passage der Totenbeschwörer (OT: Death bringer) wieder die Ereignisse. Neben dem Hauptstrang, der sich um das Geschehen rund um den neuen (die neue) Totenbeschwörer(in) rankt, widmet sich Landy wieder vielen Nebenschauplätzen. Dabei schüttelt er mal so locker ein paar Infos aus dem Ärmel, die dem verblüfften Leser ein asthmatische Keuchen entlocken - gefolgt von ungläubigem Erstaunen. Und genau das liebe ich so an den Büchern – neben dem typischen Landy Humor.

Das dieser Humor mal wieder nicht zu kurz kommt, liegt eindeutig mit an dem Pärchen Vaurien Scapgrace, dem Zombiekönig, und seinem Gehilfen Trasher. Es ist schon komisch bis tragisch was die beiden so unternehmen um nicht in ihre Einzelteile zu zerfallen. Aber auch andere Passagen im Buch, das Verhör von Kenny durch Kommissar Ich, gehört mit zu dem witzigsten, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Landy scheint wirklich ein Gefühl für Humor zu haben, denn dieser kommt für mich nicht platt oder abgedroschen herüber, sondern vielmehr, wie auch in den Scheibenwelt Büchern von Terry Pratchett, durch Wortwitz und Schlagfertigkeit.

Achtung: Der Text enthält ab jetzt Spoiler!

Wie man es gewohnt ist, entwickeln sich auch die beiden Hauptfiguren weiter, Walküre mehr als Skulduggery. Sie muss so einiges durchmachen. Zuerst die von ihr gewollte Trennung von ihrem Freund Fletcher Renn und dann noch die ewigen Annäherungsversuche von Caelan. Das dieses Techtelmechtel mit dem, mir mittlerweile gehörig auf den Nerv gehenden Vampir, endlich beendet wird, ist so mit das Beste, das ihr passieren konnte. Anscheinend hat auch Landy so empfunden, denn das Ende von Caelan ist nicht nur plötzlich und unerwartet (mal eben so auf den letzten paar Seiten abgehandelt), sondern auch ziemlich endgültig. Gut so.

Neben der Unterweisung ihrer Cousinen in Magie, sehr zum Verdruss ihres Onkels Fergus, muss sie sich nun auch noch mit ihrer liebsten Feindin, Melancholia, herumschlagen. Das ausgerechnet dieses blasse Mädchen zur Todbringerin heranerzogen wird, ist schon eine echte Überraschung – aber beileibe nicht die einzige. Die zweite bezieht sich auf Skulduggery Pleasant selbst. Endlich erhält man als Leser einen näheren Einblick in seine Vergangenheit, man erfährt, wer ihn zu dem gemacht hat, der er ist – zu einem lebenden Skelett. Als ob das noch nicht genügen würde, setzt Landy mit der Enthüllung wer Lord Vile in der Vergangeheit gewesen ist, noch einen oben drauf. Ein echter Hammer wie ich finde. Auch die dunklen Machenschaften und das schreckliche Geheimnis von China Sorrows wird aufgedeckt. Hier merkt man, dass auch die strahlenden und sympathischen Charaktere ihre dunklen Seiten haben. Gut und Böse, schwarz und weiß, vermischen sich zu einem grauen Matsch, man weiß nicht mehr, wem man trauen kann und wem nicht.

Die Handlung, und das ist mein einziger Kritikpunkt, unterscheidet sich nicht viel von den Vorgängern. Mal wieder gibt es eine Bedrohung von außen, die Skulduggery und Walküre abwehren müssen. Das Schema möchte ich fast schon als 08/15 bezeichnen, so ungern ich das auch schreibe. Wer solch einer fantastische Welt, mit solch fantastischen Charakteren, Leben einhauchen kann, der sollte es doch auch schaffen, etwas mehr Abwechslung in seine Geschichten einzubringen. Es kann doch nicht sein, dass sich alle Seiten lang Leute verprügeln und massenhaft zu Tode kommen. Allein die Opfer unter den Totenbeschwörern sind immens. Da wirkt es schon fast ein wenig unglaubwürdig, wenn ein vergangener Massenmörder, namens Skuduggery, und eine potentielle zukünftige Massenmörderin, namens Walküre, Problem haben eine momentane Massenmörderin, namens Melancholia, zu töten. Drei Massenmörder die sich durch die Schlusshandlung prügeln – und das in einem Jugendbuch. Das gibt es wohl nicht allzu oft und zeigt halt auch ein wenig, woran es an den Büchern (und in diesem ganz speziell) hapert.

Dennoch, die Geschichte ist, wie immer möchte man sagen, mehr als spannend und actionreich. Ohne Frage, steuert die Reihe ihrem dramatischen Höhepunkt entgegen. Aufgelockert wird es durch heiteren bis beizeiten zynischen und bissigen Humor – ein guter Kontrast zu der ansonsten recht düster und brutaler werdenden Grundstimmung. Menschen die zu Depressionen neigen, sollten einen Bogen um die Reihe machen. Landy selber macht das, was er immer macht: Er unterhält den Leser und liefert wieder ein tolles Buch ab, auch wenn der Hinweis auf die 08/15 Handlung vielleicht etwas anderes vermuten läßt.

Fazit:
Für Neueinsteiger ist das Buch sicherlich nicht zu empfehlen, aber wer steigt schon bei Band 6 einer 9-teiligen Reihe ein? Ob die morbide Geschichte auch Kindern oder Jugendlichen zu empfehlen ist, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall, so paradox es auch klingen mag, ist das Buch dennoch ein reines Lesevergnügen. Ich will mehr davon – möglichst mit einer abwechslungsreicheren Geschichte.
 
 
 


Mehr Rezensionen von D. Vallenton