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Dan Simmons

Der Berg

  • Autor:Dan Simmons
  • Titel: Der Berg
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Hardcover
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:26 Mai 2014
  • Preis:24,99 EUR

 
»Der Berg« von Dan Simmons


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(5)

 
 
Im Jahr 1925 machen sich die drei Freunde und erfahrenen Bergsteiger Richard Deacon, Jacob Perry und Jean-Claude Clairoux auf den Weg ins ferne Tibet um dort mit der Suche nach den am Mount Everest verunglückten Lord Percival Bromley und Kurt Meyer zu beginnen. Diese Suchexpedition wird von Lord Bromleys Mutter, die sich immer noch Hoffnungen auf ein Überleben ihres Sohnes macht, finanziell unterstützt. Da die drei Bergsteiger nun schon mal am Mount Everest sind, wollen sie die Suche nach den Verunglückten gleich mit einer Gipfelbesteigung des Berges verbinden. Hilfe, ihnen mehr oder weniger von Lady Bromleys Mutter aufs Auge gedrückt, bekommen sie dabei von Lady Regina Bromley-Montfort, dem Arzt Dr. Sushant Pasang und rund 30 Sherpas.

Der Aufstieg ist kräftezehrend und verläuft ein ums andere Mal tödlich. Als man kurz davor steht den Berg zu bezwingen, erfolgt ein Angriff auf das Basislager. Wie sich daraufhin herausstellt, waren der verunglückte Lord Bromley und Kurt Meyer nicht nur im Auftrag der britischen Regierung im Gebiet des Mount Everest unterwegs, sondern bei ihrem Absturz auch noch im Besitz einiger wichtiger Geheimdienstunterlagen. Diese sollen nun von deutschen Agenten wieder heim ins Reich geholt werden, Zeugen sind dabei natürlich nicht erwünscht. So wird aus der Suchaktion von Deacon und seine Kameraden unversehens eine mörderische Treibjagd.

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Um es gleich vorweg zu nehmen, Der Berg (OT: The Abominable) verläuft etwas anders, als man es von den üblichen Dan Simmons Büchern vielleicht gewohnt ist. Wer auf ein ähnliches Abenteuer wie in seinem Buch Terror hofft, wird zum Ende hin enttäuscht werden. Genau wie in Terror, verbindet Simmons zwar wieder Realität mit Fiktion, driftet diesmal aber gegen Ende hin nicht in den phantastischen Bereich ab – auch wenn man zuweilen zu der Meinung gelangen könnte. Simmons verstreut zwar öfters seine „phantastischen Brotkrumen“, immer wieder ist von Yetis und unheimlichen Schneemenschen die Rede, aber diese Dinge dienen eher dazu den Leser etwas zu verwirren und auf eine falsche Fährte zu locken.

Normalerweise würde ich „Gut so“ sagen, aber ob der Drift hin zu den bösen Nazis, die durch Berge kraxeln um Geheiminformation zu suchen, wirklich ein guter Kniff gewesen ist, wage ich dann doch zu bezweifeln. Es wirkt zwar nicht an den Haaren herbeigezogen, aber doch etwas platt. Genau wie das Bild des „hässlichen Deutschen“ das Simmons immer wieder durchscheinen lässt. Bis auf Kurt Meyer, der ist jedoch Österreicher, also eher ein Beutedeutscher, sind alle restlichen Deutschen böse, unsympathisch, Mörder, Säufer und natürlich Nazis durch und durch. Selbst die Schilderung der Zugfahrt durch Deutschland, passt zu dem Bild das Simmons vermittelt. Alles wirkt düster, trist und heruntergekommen.

Auf die Frage ob mir das Buch gefällt, kann ich dennoch, trotz alldem, mit einem deutlichen „Ja, unbedingt“ antworten. Ich finde Der Berg einfach grandios. Schon allein der Anfang des Buches, in dem Dan Simmons den alten 90jährigen Jacob Perry im Altenheim besucht, nichtsahnend von der Geschichte die dieser auf Lager hat, ist für mich faszinierend. 20 Jahre später, nach dem Perry schon lange verstorben ist, gelangen seine Tagebücher nach einer langen Odyssee in den Besitz Simmons. Kurz (aber wirklich nur ganz kurz) wirft sich die Frage auf, ob Der Berg nun ein Roman von Dan Simmons ist, oder einfach nur die Zusammenfassung der ihm von Perry übergebenen Tagebücher. Natürlich trifft ersteres zu, auch wenn gegen Ende hin noch einmal der Bogen in unsere Realität gespannt wird und Simmons das Grab Perrys aufsucht. Das ist klasse miteinander verwoben.

Aufhänger der ganzen Story ist natürlich nicht nur die Suche nach Lord Bromleys Leiche, sondern auch die tatsächlich versuchte Erstbesteigung des Mount Everest duch George Mallory und Sandy Irwin im Jahr 1924. Getreu dem biblischen Motto „Suchet und ihr werdet finden“, entdecken unsere fünf taffen Helden(innen) nicht nur den verunglückten Sir Percival und seinen Kollegen Kurt Meyer, nein, sie finden auch noch Sachen, die sie gar nicht gesucht haben, als da wären die Leichen von George Mallory und Sandy Irwin, die Nadel im Heuhaufen, das Haar in der Suppe und die seit Ewigkeiten verschollene Bundeslade. Ach ne, die hat ja Indiana Jones entdeckt. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die, wenn die Lade irgendwo am Mount Everest gelegen hätte, ebenfalls von Deacon und Co entdeckt worden wäre.

Selten sind mir die Charaktere eines Buches so sehr ans Herz gewachsen wie in dem vorliegenden Buch. Letztmalig in George R. R. Martins Werk Fiebertraum (OT: Fevre dream), bei dessen Lektüre ich neben dem alten Kapitän Abner Marsh auf einem alten Flußdampfer über den Mississippi getuckert bin. Nun ja, so kam es mir zumindest vor. Die Strapazen die Perry und Co bei ihrem Aufstieg zum höchsten Berg der Erde durchstehen müssen, werden so plastisch und nachvollziehbar aus der Sicht Perrys geschildert, dass selbst ich während des Lesens öfters mal verschnaufen und mich wärmer anziehen musste. Das Buch ist durchgehend in der Ich-Form geschrieben, entweder aus der Sicht von Dan Simmons oder, was die Tagebücher von Perry angeht, aus seiner Sicht.

Für manche lesen sich diese seitenlangen und detailverliebten Beschreibungen des Berges, seiner Umgebung, die Kniffe beim Klettern, die Mühen beim aufschlagen eines Basislagers und die Probleme beim atmen in 8000 Metern Höhe vermutlich recht langweilig. Zudem läßt sich Simmons enorm viel Zeit bevor er seine Helden überhaupt erst mal nach Tibet kommen läßt. Die Schilderungen der Vorbereitungen zu der Expedion machen bisweilen eher den Eindruck eines Buches zur Anleitung einer Bergbesteigung, aber wer sich darauf einlässt, wird mit einem im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Abenteuer belohnt. Erst diese Ausführlichkeit der Schilderung gibt den Charakteren etwas authentisches und macht sie so lebendig.


Fazit
Für mich ist Der Berg ohne Frage eine der eindringlichsten Leseerfahrungen des vergangenen Jahres. Ein mitreißendes Buch, auf dessen irreführenden Klappentext man aber nicht hereinfallen sollte. Das Buch gehört für mich weder in den phantastischen Bereich noch in die Kategorie Thriller, denn von beiden Elementen weist er wenig bis gar nichts auf. Dennoch ist es ein spannendes und, trotz seiner Länge, recht kurzweiliges Buch, das mich von vorne bis hinten gefesselt hat. Wunderbar wie Simmons es wieder geschafft hat, seine fiktiven Helden in einer realen Welt, mit realen Ereignissen, agieren zu lassen. Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen.
 
 
 
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    2015-04-24
    Ich kann es auch empfehlen und bin mir sicher, dass ich es so schnell nicht vergessen werde. Was den Klappentext anbelangt, wundert mich schon gar nichts mehr. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Schreiber das Buch gar nicht gelesen hat.


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