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Cory Doctorow

For the Win

  • Autor:Cory Doctorow
  • Titel: For the Win
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Hardcover
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:11 Oktober 2011
  • Preis:16,99 EUR

 
»For the Win« von Cory Doctorow


Besprochen von:
 
harakiri
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
4 Hauptpersonen, Schauplätze rund um die Welt, ein brisantes Thema.

Wei-Dong wie er sich nennt ist ein Junge, der in Amerika lebt, dessen Herz aber an China hängt. Er ist ein fanatischer Onlinegamer, was bald zu Ärger in der Schule und der Familie führt. Also beschließt er auszureißen.

Mala spielt ebenfalls für ihr Leben gern PC-Games und sie ist richtig gut darin. Das bleibt höheren Chargen nicht lange verborgen und so wird sie angeworben um für Geld zu spielen.

Matthew ist „Goldfarmer“. Das heißt, er spielt in der virtuellen Welt um Geld und tauscht dieses in reale Währung um.

Connor arbeitet für Coca-Cola Games – ein riesen Konzern der die kleinen Spieler ausbeutet.

Die Jugendlichen merken, dass sie von den Großen nur ausgebeutet werden und diese durch sie reich und immer reicher werden. Ihnen bleibt nur, sich zu verbünden und gegen die Spielemafia vorzugehen. Doch das erweist sich als gar nicht so einfach und sie geraten bald in Gefahr. Erst scheinen sie kleine Erfolge zu erringen, aber bald eskaliert die Lage und es gibt die ersten Toten.

Anfangs hat mich die Handlung total fasziniert. Wie schnell es geht, dass ein Junge süchtig nach so einem PC-Spiel ist und wie sich diese Sucht auf ihn und seine Umwelt auswirkt – das war ganz schön erschreckend. Auch die Schilderung der Armut in Indiens Metropolen oder die Ausbeutung der Arbeiterinnen in China – hochbrisante, interessante Themen, alle in einem Buch vereint. Doch leider driftet die Handlung dann stellenweise so sehr in wirtschaftswissenschaftliche Ausführungen ab, dass man sich in einem BWL-Studienbuch wiederzufinden meint. Diese Erklärungen benötigt man zwar um die Handlung richtig zu verstehen und zu durchschauen, aber leider überwogen diese und waren teilweise sehr langatmig. Spannende Szenen, wie Leonards Überfahrt auf dem Ozean als blinder Passagier wurden dafür etwas vernachlässigt, hier hätte ich gern noch mehr gelesen. Genauso wie von Matthews Flucht vor der Polizei und wie er den Tod der 42 beobachtet oder die Flucht der 3 Jugendlichen aus China am Ende des Buches. Solche Erzählungen fesseln den Leser viel mehr an ein Buch und sorgen für spannenden Lesefluss.

Die Charaktere sind durchwegs junge Leute, die aber durch äußere Umstände teilweise sehr schnell erwachsen werden mussten. Diese Beschreibungen waren sehr realitätsnah und haben mir sehr gut gefallen. Auch eine kleine Love-Story entwickelt sich, was die Handlung ein bisschen auflockert. Brutale Szenen zwischen den Jugendbanden verdeutlichen die Lage in den Schwellenländern und bringen dem Leser die dortige Not näher. Auch dass die Handlung übergreifend online und in der Realwelt spielt fand ich einen tollen Einfall und der Autor hat diese Handlungen sehr logisch miteinander verknüpft.

Am Ende gibt es für Nicht-Gamer noch ein Glossar mit allen verwendeten Fachbegriffen.

Noch ein Wort zum Cover: selten habe ich für ein Buch ein passenderes Cover gesehen. Die angeketteten Hände symbolisieren den Inhalt des Buches auf subtile Weise. Cola und chinesisches Fast Food dazu, noch ein Mario-Pilz - und fertig ist der Klappentext in Bildern.

Fazit: Anschaulich geschriebenes Buch, nicht nur für Gamer, das aber stellenweise übers Ziel hinausschießt und durch fachliche Erklärungen von der eigentlichen Handlung ablenkt. Trotzdem durchaus lesenswert und kurzweilig.
Dieses Buch macht nachdenklich: was ist davon heute schon real?
 
 
 


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